Im E-Wettlauf mit China ist Europas Industrie fast gleichauf. Das kann sich sehen lassen. Fakt ist aber auch: Es ging und geht nur mit hohen Subventionen! Bleibt das eine Konstante? Wird das ein Risiko? Hinzu kommt: Reine batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) sind noch nicht klimaneutral. Der Strom dafür schon gar nicht.
Der Weg ist also noch lang: In Europa sind bisher gerademal 7,6 Prozent BEV, das heißt nur 8 Pkws von 100 neu zugelassen, also 92 von 100 Pkws noch nicht. In den erstaunlich hohen Zuwachsraten für E-Fahrzeuge sind noch viele Verbrenner „versteckt“.
Viel dramatischer aber ist die Erosion in der Wertschöpfungskette – das wichtigste „Asset“ der Industrie. Über die Last, die die Zulieferer (und Händler!) in der Transformation schultern müssen, wird zu wenig gesprochen.
Wer überlebt? Wer eher nicht? Hier liegt aber oft die Quelle der Innovationen, vor denen sich die Politik ängstlich zu drücken scheint. Warum denn keine Technologieoffenheit neben BEVs? China arbeitet sogar am grünen Wasserstoff im Verbrenner, von Syn-Fuels oder Fuel Cells ganz zu schweigen. So könnte die Klimabilanz rasch besser werden.
Die Sorge ist, dass funktionierende Strukturen mit dem so populär angekündigten Verbrenner-Aus vorzeitig eingerissen werden, verbunden mit Arbeitsplatzverlusten und Einbußen im Export oder bei Steuern.
Strategien müssen langfristig abgesichert und zielgenau sein. Es darf nicht passieren, dass die notwendigen Kapazitäten vielleicht schon abgebaut sind, wenn die Innovationen und besseren Technologien von morgen sie als neue Basis für eine wirkliche Nachhaltigkeit dringend brauchen, mahnt zum Beispiel der frühere VDA-Präsident und Mercedes-Manager Prof. Dr. Bernd Gottschalk von Auto Value GmbH in Frankfurt zu mehr Realitätssinn.
Wie sensibel reagiert darauf unser Autohandel? Der jammert über teils dramatische Lieferengpässe weit ins Jahr 2022 hinein und ist dennoch mit seinen Ergebnissen zufrieden.
Obwohl heuer ungefähr 50.000 Pkw-Neuzulassungen in der Jahresstatistik fehlen werden und die extra zu zählenden leichten Nutzfahrzeuge (N1) schwer NoVA-belastet in Kundenhand drängen.
Den meisten Groll bekommen die Händler ab. Die Politik „leistet“ sich ostentativ Grün, und das wird noch viel teurer werden, rascher als man dem Wahlvolk letztendlich zumuten kann. Nullzinsen lassen ohnehin die Ersparnisse der Kunden wie die Gletscher dahinschmelzen.
Dabei stehen uns die großen Kündigungswellen v. a. in der Industrie noch bevor. Mit anderen Worten: Die wirtschaftliche Bedrohungslage bleibt übersichtlich!
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