Hach, es ist doch herrlich: Benzin (und Diesel) zu reden und auf all das zu schimpfen, was die bösen Autofeinde so beschließen und forcieren. Die veganen Bioschlapfn und die birkenstock-tragenden Drahtesel-Fetischisten haben schließlich keine Ahnung von unserer Autobranche.
Das Elektroauto ist bekanntlich und sowieso ein Schwachsinn: deppertes Kraffelwerk mit getürkter CO2-Bilanz! Jede Kuh hat einen höheren CO2-Ausstoß als ein Diesel-Pkw. Dabei brauchen wir das Auto und wollen selber fahren, denn autonomes Fahren ist eine Einschränkung der persönlichen Freiheit. Und mit Carsharing hört sich dann wirklich jeder Spaß auf.
Um Tacheles zu reden, müssen wir uns nicht in eine Ibiza-Villa zurückziehen, wir können das auf Branchenveranstaltungen im Smalltalk tun, aber auch auf offener Bühne oder in TV-Diskussionen. Im Gegensatz zu den „Grünen“ wissen wir, was für unsere Kunden gut ist.
Doch nun spielen „diese Grünen“ (eine von der Autobranche pauschal verwendete Bezeichnung für alle, die dem Auto kritisch gegenüber stehen) bei der Europawahl plötzlich wieder eine wichtige Rolle: über 20 Prozent Stimmenanteil bei unseren Nachbarn in Deutschland. Bei den unter 30-jährigen sind die Grünen nicht nur in Österreich (mit 28 Prozent!) die stärkste Partei. Sind „diese (jungen) Grünen“ allesamt radfahrende Öko-Fuzzis und selbstversorgende Autoverweiger? Mitnichten!
Es entwickelt sich eine Generation an Mobilitätsnutzern, bei denen das Auto nach wie vor einen entscheidenden Bestandteil im Mobilitätsmix spielen soll und wird. Diese Klientel (und das geht weit über die Grün-Wähler hinaus) will komfortabel, sicher und auch umweltfreundlich mobil sind. Und das mit „unserem“ Automobil.
Liebe Benzinbrüder: Unsere Interessengemeinschaft wird leider kleiner. Ein wachsender Teil der Kunden hat andere Ansprüche an das Auto und im Zweifelsfall müssen die den Wagen nicht einmal besitzen. Sie finden Elektro und Hybrid cool. Sie lassen sich gerne von ihrem Auto chauffieren, weil sie viel lieber am iPad spielen als Gas zu geben. Ein großes Display am Armaturenbrett ist ihnen wichtiger als ein großer Motor unter der Haube. Unvorstellbar, oder?
Die gute Nachricht: Die Industrie wird diese Fahrzeuge bauen: komplexe Hybridfahrzeuge mit High-Tech-Assistenzsystemen und -Telematik, die nicht nur Profis bei der Auslieferung, sondern auch bei der lebenslangen Wartung brauchen: Also uns, die Kfz-Branche.
Noch können wir uns entscheiden, ob wir bei den aussterbenden Bewahrern dabei sein wollen oder in die doch gar nicht so schlechte Zukunft schauen wollen; und ob wir den „Grünen“ überhaupt Autos verkaufen und die dann auch servicieren wollen.
Das neue Motto lautet: Benzin reden, Elektro verkaufen. Nehmen wir „die Grünen“ und die Klimaschützer ernst. Sie sind unsere Kunden der Zukunft.
