Die Hersteller richten sich ihre Auto(vertriebs)welt nach ihrem Gutdünken. Sie geben die Regeln vor, entscheiden über Existenzen, wie ihnen beliebt. Langsam beginnen Autohändler, sich dagegen aufzulehnen, alternative Massenmobilität mit dem Verbrennungsmotor im Zentrum ohne entsprechende Vergütung diktiert zu bekommen.
Während die Hersteller mit der Politik klüngeln, ihre mit Kurzzulassungsspielchen hochgetunten Produktionszahlen möglichst friktionsfrei in reale Absatzkulturen zu bewegen, bekommt das Autohaus damit einhergehende Sparmaßnahmen in voller Härte zu spüren. Die Rendite- und Liquiditätssituation verschärft sich. Es gibt keine Garantie auf eine dauerhafte Existenz.
Der jüngste Würzburger „AUTO Vertriebstag“ verdeutlichte, wie sich Hersteller Vertriebsformate der Zukunft vorstellen. Zum Beispiel preist Mercedes das aufwändige Autohaus als teure Event Location mit integriertem E-Tankstellen-Cafe darin. Der Kaffee dazu darf gratis serviert werden. Ladesäulen im Autohaus kosten bis zu 200.000 €. Kluge Professoren argumentieren zu lassen, mit der E-Mobilität anzufangen, auch wenn damit noch kein Geld zu verdienen ist, kann wohl nur als Selbstironie gewertet werden.
Dennoch präsentieren die Markenvertriebschefs ein Best-Practice-Modell nach dem anderen: Probefahrten in 3D, digitale Fahrzeug-Abos verdrängen reale Autoangebote aus dem Schauraum uvm. Das alles natürlich mit dem Anstrich des „besten Arbeitgebers“, um bei immer schwierigeren Verdienstmöglichkeiten Mitarbeiter zu bekommen und bei Laune zu halten. Im politisch desorientierten Mobilitätsangebot die richtigen Potenziale für das eigene Autohaus zu erkennen, ist die Managementkunst von heute.
Derweilen wird der Kfz-Handel digitalisiert, das Resultat ist zunehmender Stress. Das Geldverdienen ändert sich. Eines hat der langjährige „kfz-betrieb“-Chefredakteur Wolfgang Michel in seinem Statement „Was kommt, was bleibt, was geht“ messerscharf erkannt: Keine einzige Prognose über die Zukunft des Autohauses war bislang zutreffend.
Wir tun also grundsätzlich gut daran, uns mit der Unsicherheit zu verbünden. Unsere unternehmerische Grundfunktion besteht im kreativen und innovativen Lösen von Herausforderungen.
Dann ist es möglich, das Minenfeld, das sich zwischen der politischen und der realen Autowelt aufgetan hat, zu überwinden und im gemeinsamen Überlebenskampf Wege des Miteinanders zu suchen. Dominierende Mehrmarkenhändler mit ausreichender Finanzkraft sortieren bereits ihre Kräfte, jedoch nicht so, wie sich die Hersteller das vorstellen wollen. •
