Die Möglichkeiten bereits existierender Business-Modelle werden durch die Verwendung von Live-Daten rasant größer, betonte Carmunication-Obmann Mag. Walter Birner – und wurde von den Vorträgen anwesender Mitglieder bestärkt. Telematik-Anwendungen sind für viele, wenn nicht alle „Player“ auf dem großen Mobilitäts-Spielfeld (das gerade großflächig umgegraben wird) interessant.
Dass die gesetzlichen Weichen dafür noch (lange) nicht gestellt sind und nicht klar ist, ob Autohersteller ihr „Herrschaftswissen“ eines Tages herausrücken müssen, ist nur Teil der Aufgabenstellung. „Wenn es soweit ist und wir die Daten bekommen, müssen wir wissen, was wir damit machen“, ist Birner überzeugt.
Myriade von Anwendungen
Viele der Anwesenden wissen es bereits: Ob Herth+Buss, die mit Software-Anbieter Segmeno daran arbeiten, mit Hilfe von Live-Daten ihre Teile-Produktion zielgerichteter zu steuern – oder Teilehändler Groupauto International, wo man hofft, die großen Flottenkunden mit „enhanced repair and service“ zu ködern. Auch Nichtanwesende wurden angesprochen: Warum sollten Versicherungen Millionen dafür zahlen, Kostenvoranschläge zu überprüfen, wenn das auch eine datengestützte Software automatisch kann?
Der Carmunication-Workshop im Vorfeld der Jahres-Generalversammlung war heuer offen für alle Interessierten, knapp 100 Teilnehmer waren der Einladung gefolgt. Darunter auch Henk Kromhout und Alexander Haid von Caruso – sowohl Birner als auch Kromhout betonten die Möglichkeit, dass die beiden Daten-Anbieter in Zukunft enger zusammenzuarbeiten.
Die legislativen Entscheidungen sind in Brüssel auf Beamtenebene in Vorbereitung und werden von der nächste EU-Kommission getroffen. Ein von Brüssel gefordertes und abgeliefertes „proof of concept“ stellt – soviel darf bereits verraten werden – dem von den Herstellern präferierten Modell des Extended Vehicle kein Einserzeugnis aus, was die Forderung nach direktem Datenzugang bestärkt.
Aus dem Büro der für Wettbewerb zuständigen Kommissarin soll Unterstützung für die Sache des freien Teile- und Werkstattgeschäfts spürbar sein, meinte FIGIEFA-Rechtsexperte Jan Bambas. Dass sich nichts schlagartig übers Knie brechen lässt, darin war man sich im Panel der Vortragenden einig.
Ebenso sicher allerdings der Tenor: Kooperation (bei gleichzeitigem Wettbewerb, Stichwort: Coopetition) ist der Schlüssel zum Datenzugang. Und den braucht man, um weiter mithalten zu können. Denn morgen (oder übermorgen) wird alles anders. •
