Wir in Europa, mit Deutschland voran, brauchen dringend eine (bessere) Strategie in Sachen Künstliche Intelligenz. Noch dringender aber brauchen wir eine Autostrategie, die darüber hinausgeht, die Branche immer wieder vor den Konsequenzen ihrer eigenen kapitalen Fehlentscheidungen zu beschützen. Nach jahrelangem Streit um Abgaswerte und Dieselverbrauchsbetrug wundern sich jetzt die Regierungen über Amerikas und Chinas Embargoziele. Alles machen wir in Europa und in Österreich sowieso falsch. Der chinesische Konzern CATL will in Erfurt die größte Fabrik für E-Auto-Batterien in Europa bauen. Die heimischen Unternehmen schauen zu, unfähig, selbst eine solche Giga-Factory hinzubekommen, geifert das Leitmagazin „Der Spiegel“ und fragt besorgt, ob hier bereits die Entkernung der deutschen Autoindustrie beginnt. Damit im Zusammenhang stehen in Österreich ein paar läppische 100.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel.
Scrollt man durch die Online-Portale, finden sich nur negativ besetzte Stories. Die Furcht geht um, dass die Chinesen die Weltmacht an sich reißen. Seit ein paar Wochen droht uns die gelbe Gefahr aus Frankreich, die mit dem Ruf der sozialen Ungerechtigkeit für Angst und Unruhe sorgt. Die Furcht des Überschwappens der Gelbwesten auf ganz Europa geht um. Womöglich auch in Wien und Salzburg. Und wieder sind es die Asiaten, die diese Westen en masse produzieren, zu unschlagbaren Fertigungskosten.
Im schweizerischen Davos gibt man der 16-jährigen schwedischen Umweltaktivistin Greta Thunberg eine Weltbühne, mit naivem Kindercharme von den tatsächlichen Umweltproblemen abzulenken. Große Reden, hehre Absichtserklärungen, dünne bis gar keine Ergebnisse. Die jüngste Weltklimakonferenz im polnischen Kattowitz entpuppte sich als Witz. Kein Witz sind die militärischen Investitionen, völlig frei von jedem Tadel der Umweltverschmutzung. Mit Strom betriebene Raketen sind bis dato nicht bekannt. Dennoch sind die Chinesen hinter dem Mond gelandet. Das aber konventionell. Und wie drakonische Strafen für die Umweltvernichter umsetzen? Elektrische Stühle mit Solarstrom gibt es meines Wissens noch nicht!
Von Veränderung ist weiter wenig zu spüren. Vor allem in den Standesvertretungen. Jede Sparte hat – zumindest in Österreich – ihre Kommerzialräte und -rätinnen, die vielfältig ihre Resolutionen in die Politik schleudern. Ist dann und wann jemand darunter, der sich tatsächlich für die Interessen seiner Mitglieder einsetzt, ist er schnell von den Mächtigen entsorgt. Kalcher ist von Peugeot kaltgestellt, Schindler verlor die Marke Kia und damit sein Verbandssprechermandat. Konsequenzen kann man sich sparen. Wenn der Hersteller/Importeur nicht will, nutzt es gar nichts: Es tut ihnen aber allemal leid, den Gürtel enger schnallen zu müssen. Idealerweise beim Handel und Gewerbe. In diesem Reizklima führt mich auf die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Standesvertretungen voll Ernst mein Freund Burkhard zurück in die Realität. Meine Kollegen im Realitätengeschäft wären froh, eine Interessengemeinschaft wie die im Fahrzeughandel zu haben.
Ich persönlich mache verständlicherweise gute Miene zu dieser Aussage und erspare mir im Reizklima von Social Media eine Antwort darauf, aus der sich womöglich eine kräfteraubende Auseinandersetzung entwickeln könnte. •
