„Flau war die Messe“, hörten wir von vielen lieben Auto(fach)leuten, um den Geschäftsgang in diesen Tagen befragt. Realistischerweise war aber eine gute Grundstimmung in der Kfz-Werkstattszene festzustellen. Die Messe beinhaltete alle aktuellen und relevanten Mobilitätsthemen, von Besucherseite lediglich getrübt durch die Abwesenheit des einen oder anderen Stammausstellers. Diejenigen, die am traditionellen Ausstellungskonzept festhielten, werden in der Nachbetreuung ihre Freude haben und die „Sparefrohs“ in zwei Jahren – die 31. Edition ist von 20. bis 23. Jänner 2021 anberaumt – wieder viel Geld investieren müssen, um abspenstig gewordene Kundschaft zurückzugewinnen.
Mit Zahlen lässt sich trefflich streiten. Doch ist das vergangene Jahr wirklich ein so schlechtes im Vergleich zum sonst üblichen Automarkt? Dazu muss man zuallererst den „üblichen“ Automarkt definieren. Gibt ein Vergleich mit den vorangegangenen AutoZum’s ein Bild? Wir meinen, ganz und gar nicht. Vergleichen darf man in der Wirtschaft niemals mit einer von Zufälligkeiten und äußeren Einflüssen geprägten Größe wie den Veranstaltungen zuvor: Es vergeht praktisch kein Jahr ohne legislative Eingriffe über Steuern und Abgasgesetze, in dem sich der Markt nach Angebot und Nachfrage frei hätte entwickeln können. Daher sind alle kurzfristigen Vergleiche desinformierend – was insbesondere auf die Vienna Autoshow (VAS) für den Handel und für die AutoZum für das Gewerbe zutrifft.
Zurückblickend auf die letzten Jahre haben wir stinknormale Rahmenbedingungen. Jeder Befragte erzählt von Wachstum und vielen darf man diese Einschätzung auch glauben. Dennoch: Ein nicht unerheblicher Teil wandelt sich, verschwindet in anderen Unternehmensgebilden oder scheidet aus. Das nennt sich Ausleseprozess. Natürlich reüssieren einzelne Marken, Waren- und Dienstleistungsanbieter verschieden, je nach dem Modellangebot und Service, die sie zu bieten haben.
Faktum ist: Der Markt wächst nicht, sondern befindet sich im anhaltenden Verdrängungswettbewerb. Diejenigen, die bei der VAS und der AutoZum absent waren, haben wegen anhaltend gleichbleibend hoher Besucherfrequenz Grund zum Nachdenken. Dauergäste suchten ihre Stammaussteller und fanden, wenn überhaupt, nur Ministände vor. Krass festzustellen war das bei den Reifen- und Schmierstoffanbietern. Dafür quollen bei Würth, Birner, Stahlgruber, Kastner, Liqui Moly, Pichler & Co. die Besuchermassen über. Bei Speis und Trank kommen immer noch die Leute zusammen.
Die A&W-Arena in Kooperation mit Reed Exhibitions bot zahlreichen Besuchern Orientierungsplattform für Information und Meinungsaustausch. Gerne haben wir das getan und so konnten wir auch unabhängig einschlägiger Pressemitteilungen ein realistischeres Bild von der Ausstellung zeichnen. Es kann nicht immer nur höher und höher und höher gehen. Der Markt ist keine Rakete – und auch die stürzen manchmal schauerlich ab.
Hinweisend auf unsere laufende und auch kritische Berichterstattung zum Messeverlauf in unseren A&W-Medien print und online, lehnen wir uns zurück und vermerken eine „katastrophal“ gut verlaufene AutoZum.
