Mit der Ferienmesse im Schlepptau jubeln die MacherInnen der Vienna Autoshow (VAS) über ein Besucherplus von 1,3 % auf 163.818 Menschen.Tatsächlich schafft die VAS eine beim Publikum angekommene Themenkombination von Auto und Urlaub. Dabei waren Mazda, Jaguar, Land Rover, Volvo & Co. gar nicht dabei. Vermutlich sorgten neben Ferrari, Tesla und SsangYong Käsekrainer, Kreuzfahrten und Wellness-Angebote für den Besucherrekord.
Globale Handelsstreitigkeiten, immer extremere Klimaauflagen auf konventionelle Antriebe fordern jedoch immer deutlicher ihren Tribut. Die Vollzeitarbeitsplätze werden rar, die Autoproduktion bei uns ist weiter rückläufig und wie jetzt von Volkswagen an der Automesse in Detroit verkündet, soll weitere Fertigungsmasse aus Europa ausgelagert werden.
Und Österreich? Wir sind anders! Mit 2018 statistisch manifestierten 342.000 Pkw-Neuzulassungen im Rücken suggeriert eine Besucherbefragung während der PS-Schau im Wiener Prater in absehbarer Zeit sage und schreibe 36 % Neuwagen-Kaufabsicht. Sollte in politisch unsensibler Form die NoVA entfallen, weil sie durch eine höhere MöSt kompensiert werden kann, werden die Interessenten rasch abwarten.
Die E-Mobilität wird – medial gelenkt – stark hinterfragt, aber selbst der spannendste „Mythen-Check“ brachte keinen Durchbruch beim Kundenvolk. Die Leute suchen Mobilitätssicherheit, die Politiker sprechen den E-Autos das Wort, auch wenn E-Antrieb im Endeffekt genauso giftig ist wie CO2 aus dem Motor.
Der Blick in die Zukunft macht die Menschen neugierig, eine Scheidung vom Verbrenner ist für die Masse der am Auto Interessierten lange noch kein Thema. Einen Plan B für den Erhalt der individuellen Mobilität hält niemand parat. Es läuft ja die Zulassungszahlen betrachtend alles wie gewohnt. Man impft uns Vollbeschäftigung ein und gute Kaufkraft.
Das wird sich auch 2020 nicht ändern. Selbst, wenn alle Straßen für das Kfz gesperrt und alle Autoschlüssel eingezogen würden, statistisch kauft das Volk Autos. Also werden wir im Olympiajahr wieder weit über die 320.000er-Statistikmarke kommen. Rekorde bleiben Rekorde.
Trotzdem ist die Stimmung in der Branche angespannt und die Angst vor der Zukunft groß. Längst ahnen viele ManagerInnen, dass das goldene Zeitalter im Autohandel vorbei ist. Sie sehen die Haarrisse seit Jahren, jetzt werden sie tiefer.
Die Entwicklung in der Autoindustrie ist alarmierend. Das Servicegeschäft mit dem damit verbundenen Ersatzteilevolumen schafft bei den Zulieferern Begehrlichkeiten.
Der Kfz-Betrieb muss in seiner ureigenen Domäne Federn lassen – in Verbindung mit sinkenden Neuwagen-Verkaufsmargen ist das eine unheilige Allianz.
Im Moment blüht der Autoverkauf und die Angst vor Fahrverboten hat weiteren Nachfragebedarf an modernen Fahrzeugen eröffnet.
Also wenden wir den Blick nach Salzburg, wo mit der AutoZum gleich die nächste Messe beginnt. Wo im Service und in der Dienstleistung der Konzentrationseffekt deutlich an der Ausstellerkultur abzulesen ist. Die Apples, Googles, Facebooks und Amazons drängen mit ihrem riesigen Angebot und ihrer Kapitalkraft immer tiefer in unseren hiesigen Markt vor und verbinden mit der Fahrzeugindustrie immer mehr ihren Eigennutzen. Starre Zusammensetzungen werden sich zugunsten größerer Flexibilität aufweichen. In diesem Umfeld schwebt der lokale Autobetrieb in die Zukunft. Auf dem Weg nach Salzburg freuen wir uns zunächst über den Erfolg der Vienna Autoshow! •
