Die Schicksale von Winterkorn (Volkswagen) und Stadler (Audi), jetzt Ghosn (Renault, Nissan, Mitsubishi, Lada) und morgen vielleicht schon Zetsche (Daimler), Tavares (Peugeot, Citroën, DS, Opel) & Co, werfen neue Fragen auf. Es könnten Ablenkungsmanöver sein, die wankende Autoindustrie möglichst crashschonend von ihren aufgeblähten Börsenwerten zu entlasten.
Auf populistischen Druck wird wider aller Logik der bislang ertragssichere konventionelle Autoantrieb zurückgedrängt, gleichzeitig aber viel Geld in eine bislang wenig lukrative E-Autoproduktion gepumpt.
Das Dilemma ist, dass durch rückläufige Verkaufszahlen tatsächlich die Produktion zurückgefahren werden muss und die Stromer wahnsinnig viel Geld mit lange nicht absehbarer Gewinnaussicht verschlingen. Investoren macht das kopfscheu und die Arbeitslosenzahlen explodieren.
Das schlicht und einfach zuzugeben, würde die Aktienkurse der Autohersteller samt dahinter gelagerter Zulieferindustrie abstürzen lassen, der Geldmarkt kollabieren. Lehman-Brothers-Desaster: „Nachtigall, ick hör dir trapsen!“ Da braut sich etwas zusammen. Nicht, dass mir die PT Manager – sie haben finanziell für Generationen ausgesorgt – leid täten: Sie sind Bauernopfer.
Also nimmt man sich die CEOs dieser Welt vor und zieht sie als Sündenböcke abgestempelt aus dem Verkehr. Daraus ergeben sich Notmaßnahmen, um Werkschließungen und harte Sparmaßnahmen zu rechtfertigen.
Die Einseitigkeit der internationalen Wahrnehmung des Automobilproblems mit dem Verbrennungsmotor als „Umweltvergifter ersten Ranges“ in Politik und Medien stärkt die populistische Argumentation und erhöht die Gefahr weiterer wirtschaftlicher Schieflagen, die man anschließend wieder anprangern kann.
General Motors, die sich gerade Opels entledigt hat, kündigt soeben Massenentlassungen und Werkschließungen an, weil das gepriesene E-Mobil weit weniger Material und Menschen braucht.
Während aktuell Ghosn demontiert wird, soll bereits Tavares in den Startblöcken stehen, Renault von Nissan und Mitsubishi zu entflechten, um vielleicht gar eine französische Achse mit Peugeot zu schmieden. Nichts scheint unmöglich und keine Kartellbehörde hätte letztendlich dagegen etwas einzuwenden. Nationalstolz ginge vor Globaldenken. Was macht Toyota mit seiner Markenvielfalt, wenn die Märkte zu klein geworden sind? Richtig: Ausdünnen!
Die Giganten wanken. Die jüngsten Personalereignisse in den CEO-Etagen werden von den Medien als Sieg über Gier und Machtmissbrauch gefeiert und weiden sich am Niedergang ihrer einstigen Paradeindustrie. •
