Die Erstausrüster-orientierten Ausstellergranden zeigen wieder ihre Muskeln, sprechen von neuen Antriebstechnologien und von durch künstliche Intelligenz gesteuertem autonomen Fahren. Überall sieht man in Schwärmen auftretende exotische Klein(st)exponenten unter Kontrolle der Zollbehörden, um den Plagiaten halbwegs Einhalt gebieten zu können.

Da ist für Kfz-Fachleute nur noch wenig Animation leibhaftig daran teilzunehmen. Was es zu zeigen galt, wurde bereits vorher präsentiert und für reines Netzwerken ist vielen der Reiseaufwand zu teuer, denn die Stahlgrubers, SAG, WM dieser Welt betreuen die Abnehmermassen ohnehin per Hausmessen bei Bier, Pediküre und Massage, wie das kfz-betrieb, jene deutsche Branchenzeitung, die vor 25 Jahren mit den Verbänden diesen Messetyp aus der Taufe heben half, formuliert. Heute gibt es von der Automechanika knapp 20 Ableger auf der ganzen Welt.

Erstmals über 5.000 Aussteller, Reifenmesse als Co-located Show, Car-Wash in einer eigenen Halle, Insider-Kundenprogramm, Classic Cars überall, lautet das überbordende Statement der Messemacher in Frankfurt. Von Veranstaltung zu Veranstaltung reisen weniger Entscheidungsträger an den Main. Dennoch prägt das Messeklima nur eine Aussage: Wachstum!

 

Dass dem so ist, bringt A&W in seiner Nachberichterstattung zu Papier und auch online, um die frohe Botschaft in der Basis zu verankern. Der Digitalisierung wird ebenso das Wort gesprochen, wie der notwendigen Anpassung an herrschende, sich weiter internationalisierende Marktveränderungen. Beim Blick in eine positive Zukunft, in der Zeit als Faktor eine immer strategischere Rolle für den Geschäftserfolg einnimmt, bringen wir jedoch auch die negativen Begleiterscheinungen aufs Tapet, die von den gleichen Marktmachern formuliert werden. Bei aller aktuell wirtschaftlichen Stärke drohe uns die nächste Krise und auf die gelte es sich rechtzeitig vorzubereiten. Das ist die 2. Sprache, mit der die Konzerne weiter nötigen Sparwillen zum Ausdruck bringen, um Eigentümern ihre Renditen zu steigern.
 
Daher verwundert es nicht, dass die großen Anbieter siegreich erscheinen und die vielen Kleinbetriebe wie Dümmlinge dastehen lassen. Dabei müssen sie die überpowerten Produkte und Dienstleistungen kundengerecht umsetzen. Das Austauschen von Verschleißteilen wird zur Wissenschaft stilisiert, um im rückläufigen Gesamtmarkt bei Bedarf (und der ist immer gegeben!) den Ausleseprozess selbst steuern zu können.
 
Wir Journalisten geraten schnell in den Vorwurf, alles zu dramatisieren, dürfen uns jedoch in den off the records geführten Gesprächspassagen anhören, spätestens in 3 bis 5 Jahren mit der nächsten Finanzkrise konfrontiert zu werden. In der Finanzmetropole Frankfurt ist es gerade 10 Jahre seit dem Lehman Brothers-Desaster her, als letztendlich die Steuerzahler die Spekulationszeche in Billionen-Euro-Höhe zu begleichen hatten. Aber aus diesem Blickwinkel soll sich die Masse der Kleinunternehmen nicht beschäftigen müssen.
 
Bei aller Gutwilligkeit, der Frankfurter Automechanika trotz inzwischen einer Vielzahl namensgleicher Auslandsveranstaltungen rund um den Globus ihre Berechtigung zuzusprechen, sei erlaubt darauf hinzuweisen, dass wir uns wirtschaftlich in einer Seifenblase bewegen. Daher treten die Ausstellergiganten in ihren strategischen Ausprägungen nicht zu hart auf, ansonsten die Blase zu rasch zerplatzen könnte.
 
Klare Worte sind ebenso Fehlanzeige wie echte Messeneuheiten. Die Industrie hat für die politischen Eliten Wortformeln geprägt, die wie einst bei den Bankern von Derivaten bestimmt sind: Es werden technisch wie kommerziell ausgereizte Produkte und Services in neue Angebote verpackt und dank Niedrigstzinsen wieder jenen verkauft, die jetzt schon wegen der Altlasten um ihre Existenz zu kämpfen haben. Ein geschicktes Blendmanöver, die wirtschaftliche Entwicklung der Autobranche in 2 Sprachen zu formulieren. Also machen wir uns wieder an die Tagesarbeit, zwischen Sinn und Unsinn zu unterscheiden. Die das können, werden vermutlich auch die nächste Superbranchenleitmesse erleben dürfen – zumindest virtuell! •