Selbst wenn es den neuen Multifunktionär an der Wirtschaftskammer-Spitze jüngst überrascht hat: es gibt in Österreich einen massiven, weiter wachsenden Fachkräfte- und ebensolchen Lehrlingsmangel. Besonders eklatant ist dieses Problem in den gelisteten Mangelberufen, wo auch die Kfz-Branche vertreten ist. Ausschließlich dort sind – oder waren - Asylwerber als Lehrlinge zugelassen.

Während die Wirtschaft, allen voran die betroffenen Betriebe, sachlich und fundiert argumentiert, ist die Rechtfertigung der Regierung dürftig: man versteckt sich hinter bestehenden Gesetzen, die man jederzeit ändern könnte. An sachlichen Lösungen für das Thema ist man offenbar nicht interessiert: Jede Entscheidung, die in irgendeiner Weise PRO Flüchtling oder Ausländer ausfällt, würde einen hohen Schaden bei der Boulevardzeitung lesenden Klientel verursachen.

So werden engagierte sowie bestens geeignete Lehrlinge und damit zukünftige Fachkräfte abgeschoben. Aus Branchen, wo es de facto keinen Nachwuchs gibt und wo viele Betriebe seit Jahren händeringend nach neuen Mitarbeitern suchen. Versprochen werden neue Lösungen, für die Wirtschaft heißt es aber weiter: „Warten!“

Unterstellungen, die Betriebe würden Flüchtlinge aufnehmen, um der Abschiebung zu entgehen, sind ebenso zynisch und unpassend wie der Hinweis, man solle sich doch bei den am AMS gemeldeten Lehrlingssuchenden oder bereits Asylberechtigen bedienen. Negatives Highlight in der emotional geführten Auseinandersetzung war das Denunzieren oder Anpatzen“ eines betroffenen Lehrlings durch die FPÖ.

Ressentiments, Vorurteile und Zynismus sind unangebracht. Regierung und die Wirtschaftskammer sind aufgefordert, rasche und effiziente Lösungen für das Fachkräfte- und Lehrlings-Problem zu finden. Menschen, die bereits engagiert, integriert und erfolgreich hier arbeiten, sind ein Teil der Lösung, nicht des Problems. Egal, woher sie kommen.