Für seinen Privatbesuch okkupiert er für ein paar Stunden das Steirerland. Einem lokalen Hochzeitsbrauch folgend bekommen Straßensperren eine neue Dimension. Vermutlich wird Putin die teure Braut nicht auslösen und auch die enormen Kosten seiner Teilnahme dem Staate Österreich nicht refundieren. Das dürfen wir Steuerzahler erledigen. Der weitblickende Finanzminister Hartwig Löger hat sich mit der NoVA-Neuberechnung das nötige Kleingeld gesichert, diesen privaten Trick der Politik zu finanzieren. Unsere werte Gesellschaft wird auch das durchstehen müssen. Aber was soll’s: Die Medien haben ihr Spektakel, die türkis-blaue Regierung sowieso. Der teuren Ministerbraut wünschen wir ein langes, durch Aktivität gewonnenes Leben und sie wird das irdische Glück genießen, auch wenn sie keine Ministerin mehr sein wird.

Beim Festbankett spielt vermutlich Steiermarks Pop- und Rockband „Erste Allgemeine Verunsicherung“ auf und gibt ihren neuen Song „Trick der Politik“ zum Besten. Herr Putin, der gut deutsch kann, wird den Refrain „Das ist der Trick der Politik – Ein Schritt vorwärts vor der Wahl – und danach drei zurück. Und wenn er daneben geht – spielen wir Blinde Kuh – oder Russisches Roulette!“ nicht mehr hören können, denn ein paar Stunden später hält er bereits bei Frau Merkel in Berlin Hof, wo inzwischen alle Kanaldeckel zugeschweißt werden, worüber der Putin-Konvoi fahren wird.

Die einen applaudieren, die anderen skandieren ihre Parolen. Dem gemeinen Volk ist das egal. Das ist der Trick der Politik. Die Fahrzeugwirtschaft kann davon ein Lied singen und orientiert sich weiter im EAV-Textat: „Wenn du nichts weißt, dann rede viel – nur lass die Wahrheit tunlichst aus dem Spiel. Denn das Volk ist es gewöhnt, dass man mit heißer Luft die Dinge schönt!“ (Hörprobe aus dem Album „Alles ist erlaubt")

Es ist faszinierend, zu erleben, wie der Neoliberalismus die Machtgefüge und Marktverhältnisse verändert und in der Rollenverteilung die lokale Wirtschaft zwischen den globalen Konzerninteressen aufgerieben wird. Und dennoch fühlen sich die vielen Kleinunternehmen in guter Verfassung. Diesen Effekt nutzt die Politik. Wenige fragen sich, ob ihr klassisches Geschäftsmodell nicht bald ihre Existenz gefährdet. Das Umlaufvermögen in Autohandelsbetrieben steigt mit den Lagerbeständen, weil das Volk trotz enormer Rabatte sich den Autokauf nicht mehr leisten kann. Da kann die Wirtschaft „brummen“ wie sie will. Aber die Konzernstrategen zeigen uns, wie sie das Thema „Mobilität“ begreifen und für die Zukunft lösen wollen. Schön, dass Politik nichts mit Compliance am Steirerhut hat. •