In Wien-Landstraße, ein paar 100 m entfernt vom Betrieb des ambitionierten Wiener LIM am Schwarzenbergplatz, tagte die hochlöbliche Bundesinnung der Fahrzeugtechnik. Eine Neubesetzung der Innungsspitze stand an und ein beliebter Steirerprinz wurde gewählt.
Zwei mieselsüchtige Funktionäre von Wien aufwärts des Donaustroms wollten aber den Kfz-Mann vom Schwarzenbergplatz nicht als dessen Stellvertreter. Schließlich ist sein Betrieb nicht von moderner Güte, wenn auch voll den gesetzlichen Auflagen entsprechend. Das zu belegen, haben sie sich im Umfeld der Tagung – als Vertreter der Gewerbebehörde ausgebend – flink den Betrieb fotografiert und davon ein Exposé angelegt. Das fanden involvierte Funktionäre aus den Ländern gar nicht fair, trauten sich jedoch nicht, laut aufzubegehren.
Der eine schlaue Mann ist ein geborener Vize. Nicht nur Vize-LIM ist er, sondern auch Vizebürgermeister seiner Heimatgemeinde. Kritiker bescheinigen dem Autohändler hinter vorgehaltener Hand noch dazu Hochnäsigkeit. Sein Wegbegleiter, unbeirrt dem Stern folgend, trägt gerne Silber durch die Gassen. Der arme Wiener Werkstattmann hingegen unterhält in alten Gemäuern in 3. Generation seinen Kfz-Betrieb. Nun macht er sich auf, das Funktionärsgefüge mit neuem Impuls zu durchlüften, was Altgedienten gar nicht gefällt und manchen zu ungewöhnlichen Maßnahmen greifen ließ. Den Betrieb heruntermachende Fotos machten also die Runde und der Wiener Ingenieur fand sich rasch in die Schranken gewiesen. Gütig wurde er, weil jung, vom neuen BIM unter dem neumodisch formulierten Begriff „Kompetenzcenter Freie Werkstätten“ zum Leiter bestellt. Die tragische Hauptfigur in diesem Märchen hat ihre Lektion gelernt. Die Protagonisten haben zunächst ihr Ziel erreicht. Märchen enden in der Regel immer glücklich, indem das Böse besiegt und die Prüfungen bestanden werden. •
