Wir müssen uns nur auf unsere Geschichte besinnen und daraus die Aktionen ableiten, die uns zum Sieg über Trumps alles zertrampelnde Amerika und Xi Pings verführerisch lächelndes China führen werden. Über eins müssen wir uns allerdings von Anfang an im Klaren sein: Der Feind steht beileibe nicht nur jenseits von Atlantik und Pazifik, sondern in den eigenen Reihen.
Politisch orientierte Blödheit weitet Demagogen ihren Motivationsbogen zu frischen Taten – sie wollen der gemeinsamen Europaidee schaden. Trost zu suchen, auch andere die Wirtschaft tragende Branchen unter demselben Druck zu sehen, hilft nicht wirklich weiter. Und zu wissen, dass wir in Sebastian „Habe die Ehre“ Kurz einen Filibuster-Kanzler haben, der Österreich und jetzt im 2. Halbjahr 2018 in der EU-Ratspräsidentschaft die EU-Politik glänzend um unangenehme Entscheidungen herumreden wird, erlöst uns nicht von der manischen Selbstverstümmelung der deutschen Autoindustrie. Vor allem unsere Qualitätsmedien treiben die Wirtschaft in die Arme der Ankläger, die wiederum den wirtschaftspolitischen Giganten jenseits der Ozeane in die Hände spielen.
Selbst Helmut Kluger, Herausgeber des im US-amerikanischen Crain-Verlag erscheinenden deutschen Fachmagazins „Automobilwoche“, fragt sich angesichts der Untersuchungshaft von Audi-Chef Rupert Stadler als vorläufige Spitze der Entwicklungen rund um den Dieselskandal, welchem Geisteszustand die Bundesrepublik Deutschland inzwischen ausgesetzt ist. Spitzenmanager werden vorgeführt wie Verbrecher, weil grün ver(w)irrte Ideologen Abgaswerte durchdrücken, die flächentechnisch nicht umgesetzt werden können. Von Amerika diktiert, von Europa exekutiert, lachen sich die wenig von Umweltsünden beeindruckten Asiaten ins Fäustchen und propagieren die E-Mobilität. Jeder weiß, dass der Strom auch dafür aus der Steckdose kommt und Alternativantriebe kostenintensiv sind. Auf der Strecke geblieben sind schon und bleiben hunderttausende Arbeitsplätze, deren negative Auswirkungen auch Österreich nicht verschonen. Herr Kurz auf türkisen Schuhabsätzen ruhend wird für die Situation schon beschönigende Worte finden.
Mehr zunächst nicht. Wo bleiben die mit Vorstandsmandat ausgestatteten mächtigen Gewerkschaftsführer in den Autokonzernen? Bei aller überschaubaren Beliebtheit in Investorenkreisen tragen sie besondere Verantwortung für die Zukunft der europäischen Autowirtschaft. Aber Osterloh (Volkswagen), Brecht (Mercedes), Schoch (BMW) und Konsorten erschöpfen sich in Absichtserklärungen. Konkurrenzdenken verschließt deren Augen vor der Realität und lässt die einstige Paradeindustrie weiter verblassen. Einen Vorstandschef zu verteidigen, ist wohl zu viel verlangt.
Derweil erodieren die Arbeitsplätze. Zusammen mit der Flüchtlingsproblematik eine Gemengelage, die das EU-Fass bald zum Überlaufen bringt. Ich will ja nicht glauben, dass an diesem Zustand die eigenen Entscheidungsträger in den Autokonzernen Interesse haben. Der Automarkt ist nahezu grenzenlos ausgereizt und neue Absatzfelder tun sich auch nicht auf. Dazu drängt sich ein hässlicher Gedanke auf: Die Autohersteller treten wieder den Beweis an, ihre Gefährte zu Lande, zu Wasser und in der Luft für militärische Interessen zu adaptieren. Ein Blick in die Geschichtsbücher genügt, diese Ansicht zu untermauern. Dann kann auch wieder ungehemmt der die Gesundheit der Menschen gefährdende Verbrennungsmotor eingesetzt werden. Die „Thermofenster-Verbrecher“ erhalten neue wirtschaftliche Perspektiven und die Gewerkschafter haben – zumindest eine Zeit lang – wieder Vollbeschäftigung.
„Ein Gespenst geht um in Europa“, orakelten schon 1848 Marx und Engels über den Manchesterkapitalismus (eine wirtschaftsgeschichtliche Periode in der Phase der industriellen Revolution in Großbritannien), nicht ahnend, wie aktuell dieses Menetekel 2018 sein würde.
Und Österreichs Autowirtschaft? Die verkauft und serviciert ihre Mobile wie eh und je, schert sich um keine Marktsättigung bzw. disruptiven Auswirkungen. All jenen, die sich dem herrschenden Konzentrationsprozess nicht fügen wollen, wird Ungemach angedroht. Trumps „Feuer und Zorn“ durch die Geschichtsbrille betrachtet wurde in Europa schon mehrmals praktiziert. Irgendwie beängstigend ist das alles. •
