Mit dem amtlichen Rückruf von fast 800.000 Mercedes-Benz-Modellen erklimmt die Diesel- und Abgasproblematik die nächste Stufe in der Negativ-Berichterstattung und der öffentlichen Wahrnehmung. Die Zahl der erfolgreichen Urteile gegen VW-Händler, die Fahrzeuge zurücknehmen müssen, häufen sich ebenso wie die Pauschalverurteilungen gegen alle Marken. Mittlerweile wird gar nicht mehr argumentiert, wenn Autogegner die ganze Branche als Schummler und Mogler bezeichnen.
Ob die Verbrauchswerte bislang der gesetzlichen Regelung entsprochen haben, ob nur wenige oder alle Hersteller geschummelt haben, ob in Österreich Fahrverbote kommen oder nicht, ob Fahrzeuge mit WLTP teurer werden oder gar nicht lieferbar sind und vor allem: Wer an diesen Entwicklungen nun tatsächlich die Schuld trägt? Egal, denn den Unmut der Fahrzeugbesitzer und Käufer bekommt in jedem Fall der Händler ab.
„Hört man manchen Kunden zu, fühlt man sich als Autohändler schon als Krimineller“, berichtet eine Händlerin. Fakt ist: Die Eigentümerfamilien und Mitarbeiter in den Autohäusern sind definitiv für keine dieser Entwicklungen und Situationen verantwortlich zu machen, stehen aber an der Kundenfront und werden trotz jahrzehntelanger seriöser Arbeit mit Vorwürfen konfrontiert.
Nun sollte man meinen, dass der Partner und Lieferant, konkret also der Autohersteller bzw. -importeur, seine Händler mit allen Anstrengungen unterstützt. Bis auf wenige Ausnahmen ist leider das Gegenteil der Fall. Neue Händlerverträge, Direktverkauf, die problematische Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung, Stückzahldruck, unrealistische Zielvereinbarungen und nun die WLTP-Probleme samt ungeklärter Umsetzung der Ausnahmeregelungen: Die Baustellen in der Zusammenarbeit werden immer größer, die Hersteller und Importeure verbessern laufend ihre Position auf Kosten ihrer langjährigen und loyalen Vertriebspartner, die sich die verbalen Watschen der Kunden abholen.
Statt gemeinsam die Konsumenten aufzuklären und wieder zufrieden zu stellen, wird mit viel Energie gegeneinander gearbeitet. Dabei wäre genau jetzt der richtige und notwendige Zeitpunkt für faire Partnerschaft! •
