Täglich gebe es auf Österreichs Straßen 35 Verkehrsunfälle mit Personenschaden, bei denen, wie Allianz mitteilt, die Ablenkung der Autofahrer eine wesentliche Rolle spiele. Bei 30,3 % aller tödlichen Unfälle und 130 Verkehrstoten im Jahr sei Ablenkung die Ursache und habe damit Alkohol als Risiko Nummer 1 im Straßenverkehr abgelöst. Als besondere Gefahrenquelle gelte die vermehrte Nutzung moderner Fahrzeugtechnik. Der Gebrauch von Navi und Bordcomputer, vernetzter Musikabspieltechnik, das Telefonieren selbst mit Freisprechanlage, aber auch Diskussionen und Konflikte mit den Beifahrern könnten zur tödlichen Gefahr werden.
So telefonieren 65 % der österreichischen Autofahrerinnen und Autofahrer während der Fahrt (34 % immer noch mit dem Handy am Ohr), 30 % schreiben und 19 % lesen Textnachrichten am Smartphone. 82 % wenden ihren Blick während der Fahrt zum „Navi“, 74 % bedienen das Autoradio und 31 % den Bordcomputer. Österreichische Lenker nützten vorhandene technische Geräte während der Fahrt übrigens deutlich häufiger als deutsche oder schweizer – die höheren Ausstattungsgrade heimischer Autos verschärften die Unfallgefahr und damit die Ablenkung zusätzlich.
Besonders gefährdet durch Ablenkung seien junge Autofahrerinnen und Autofahrer unter 24 Jahren sowie Berufslenker, stellt die Allianz-Studie fest. Auch eine Freisprechanlage berge Gefahren: „Sie verleitet zu wesentlich längeren, Aufmerksamkeit fordernden Telefonaten und sorgt damit oft für noch mehr mentale Ablenkung“, wie Studienautor Dr. Jörg Kubitzki vom Allianz Zentrum für Technik sagt.
Moderne Komforttechnik im Auto und irreführende Werbeaussagen suggerierten oftmals, dass das Autofahren quasi nebenbei erledigt werden könne. Die Konsequenzen derart überschätzter Multitasking-Fähigkeit seien im Straßenverkehr oft fatal, so Kubitzki. Mangelnde Konzentration auf das Verkehrsgeschehen führe zur Einschränkung des Sehfelds, Vernachlässigung des Sicherns (Spiegel-, Schulter-, Anzeigeblicke) und verlängerter Reaktionszeit. Die Folge seien meist Auffahrunfälle: Bei mehr als der Hälfte einer untersuchten Unfallstichprobe habe es keinerlei Bremsversuch gegeben, bei 70 % auch keinen Ausweichversuch vor dem Aufprall. •
