Seit 35 Jahren begleite ich die Automobilwirtschaft, seit 35 Jahren wächst sie unentwegt und wenn uns fremde Mächte nicht zunehmend stören würden, auch die nächsten 35 Jahre! Von den Versprechungen vom Wirtschaftsaufschwung wird wenig realisiert. Vielmehr konzentrieren sich wenige Big Player zu Lasten der Basis auf ihre Geschäfte, optimieren ihre Abläufe und reduzieren damit weiter die Kaufkraft in der Region.

 

Im Sog dieser Entwicklung ist eine Zeitenwende im Gange, große Organisationen sehen sich als Anführer einer neuen Vermarktungsbewegung. Ausgeschiedene Spitzenkräfte dumpen mangels adäquater Jobs mit abenteuerlichen Angebotskonstruktionen im Markt. Billiger kann es jeder! Besser auch?

 

Tatort AutoZum Salzburg: Stahlgruber, WM-Trost, Birner, Derendinger, Würth, Berner, Kastner und Siems & Klein bestimmten den Besuchsablauf der meisten Werkstattbetreiber. Jedoch immer mehr etablierte Kfz-Betriebe entsagen einem Messebesuch, weil sie ohnehin von den Außendiensten sonder Zahl heimgesucht werden. Die Hallen wirkten dank geschickter Ausstellerarchitektur voll und vermittelten oberflächlich betrachtet den Eindruck gut gehender Geschäfte. Zum Jahresauftakt spielen sie alle auf Sieg. Das Spiel dauert allerdings 12 Monate.

 

Digitalisierung, der Industrie derzeit liebstes Marketingwerkzeug, spielte in den Messegesprächen nur eine untergeordnete Rolle. Damit wären die Werkstätten auch nicht voll zu kriegen. Einige, wie zum Beispiel Automobilwoche-Herausgeber-Kollege Helmut Kluger, beginnen jedoch darüber zu grübeln, was die weniger schöne Seite der Digitalisierung ist, nämlich steigende Arbeitslosigkeit. Das Resultat lässt sich erahnen: Ohne Jobs kommt der Mob! Das ist jedoch eine andere Geschichte.

 

Weshalb Weltpopulist Trump mit „America First“ seinen Bürgern prompt eine neue Ära der Hoffnung verspricht. Rasch wird der muffige Milliardär auch in unseren Breiten Populisten seines Zuschnitts um sich scharen und Wirtschaftsräume durcheinanderwirbeln.

 

Die Weichen für die Zukunft werden möglicherweise auf den Technologiemessen gestellt – mit sehr schlechten Perspektiven. Dabei geht es schlicht um die Sicherung der Mobilität und damit um die Sicherung von Arbeitsplätzen, ansonsten können wir uns die Glanztaten aus den Silicon Valleys dieser Welt in die Haare schmieren.

 

Währenddessen verheißen die meisten Presseaussendungen zur AutoZum Eitel, Wonne, Sonnenschein und – tatatata – mit 23.984 Fachbesuchern kamen um 2,1 % mehr Besucher nach Salzburg. Lassen wir dieses Detail aus Höflichkeitsgründen unkommentiert. Dafür zitiere ich WashTec-Österreich-Geschäftsführer Ing. Alfred Zach, der laut Messeveranstalter primär keine einzelnen Waschanlagen verkauft, sondern „mit Geschäftspartnern auf Augenhöhe neue Geschäftsmodelle auf Basis der Produkte“ entwickelt. So er das so gesagt hat, ist das ja alles sinnstiftend. •