Mit den konstituierenden Sitzungen der Standesvertretungen öffnet sich ein neuer kammeraler Vorhang. Dahinter zeigt sich, dass alles beim Alten bleibt. Burkhard W. Ernst, der designierte Bundes- und Wiener Landesgremialobmann. Mit ihm in der Arena Dr. Felix Clary vom Arbeitskreis der Automobilimporteure und Einzelhandelssprecher Ing. Josef Schirak.
Alle vereint der schlechte Geschäftsgang im Autohandel, trennt sie jedoch wieder in ihren Standpunkten. Beispiel: 1.600 eingetragene Mitglieder gibt es allein im Wiener Autohandel, davon über 60% Ein-Personen-Unternehmen mit dem Handy auf dem Küchentisch und den Blauen Kennzeichen daneben. 40 saßen im großen Saal der Wiener Wirtschaftskammer und ließen sich von Ernst, Einzelhandelssprecher Ing. Josef Schirak und KMU-Forscher Mag. Peter Voithofer auf die Apokalypse im Markenhandel einstimmen.
Dezenter formuliert zeigt das Ergebnis der KMU-Studien „Musterkostenrechnung für Neuwagen“ und „Refundierung von Gewährleistungs- und Garantiearbeiten“ in Richtung „Strukturwandel im Autohaus“! Auch die Garantie- und Gewährleistungsvergütung ist kritisch. Ständige Reduktionen der Arbeitszeitvorgaben schmälern jede Vollkostenrechnung. Durchschnittlich 88 Euro kalkulierter Kundenstundensatz entspricht real 66 Euro Garantie- oder Gewährleistungsersatz.
Das Desinteresse kammeraler Aufklärungs- und Unterstützungsarbeit hat eine Erklärung: Irgendwie zeigt die immer geringere Kammerwahlbeteiligung nun ihr wahres Gesicht. Solange die politischen Verhältnisse bleiben wie sie sind, ist das Mitgliederinteresse den Wirtschaftskämmerern (Wirtschaftsbündlern & Co) egal. Die Mitglieder strafen die Machtlosigkeit der Kammervertretungen durch Nichterscheinen ab, denn wenn es ans Eingemachte geht, sind die Protagonisten mit ihrem Latein am Ende.
Helfen müssen sie sich die Mitglieder immer selber. Das Schlimmste steht der Branche noch bevor. Die Märkte gehen weiter zurück – nahezu alle Marken durchschreiten ein Tal der Tränen. Das Abflauen der Krise wird durch eine Antiautopolitik weiter gestresst und trifft zunächst die Markenhändler, deren Hersteller den Kfz-Vertriebspartner als Profitcenter missbrauchen. Reißleine kann auch kaum einer ziehen, erdrückende Schuldenlast nimmt vielen den Handlungsspielraum.
