Rastlos zwischen Lust und Last wird der von Ferdinand Piëch punktgenau platzierte Satz „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn“ durch die Medien gezerrt, analysiert und in allen Facetten kommentiert und in Frage gestellt.

 

Seinem Satz will ich kausal zunächst nichts weiter hinzufügen. Aber auch Herr Professor Piëch muss zur Kenntnis nehmen, dass die schwierigste Art der Fortbewegung das „In-sich-Gehen“ ist. Das hat er wohl getan, fasse ich es mit des Ökonomen John Maynard Keynes Worten zusammen, wonach drei Dinge den Menschen in den Wahnsinn treiben: Die Liebe (12 Kinder), die Eifersucht (patriarchalische Sonderklasse) und das Studium der Börsenkurse (Mehrung des Vermögens).

 

Bei Piëch könnte man als viertes Ding noch die tickende Uhr hinzufügen. Die Zeit wird knapp, immer weniger davon bleibt übrig. Diese zeitflüchtigen Gedanken kamen ihm wohl in den Sinn, als er sich, befreit von allen Sentimentalitäten seines Erfolges, daran machte, den Volkswagen-Konzern auf die künftigen globalen Gegebenheiten hin auszurichten. Martin Winterkorn traut er diese Monsteraufgabe nicht mehr zu und sich selbst allein wohl auch nicht mehr. Den Luxus, sich mehr Zeit für fundamentale Konzernentscheidungen zu geben, kann und will er sich nicht leisten.

 

Europas Markterfolg erschöpft sich sich in Scheinstückzahlen und auf der Motorschau in Schanghai kommen die ausländischen Autobauer plötzlich drauf, dass sich der Boommarkt China zum Käufermarkt wandelt, die Autobäume auch nicht in den Himmel wachsen. Mit der zunehmenden Abhängigkeit vom Reich der Mitte – jedes fünfte in China gebaute Auto kommt von deutschen Herstellern – erwachsen neue Risiken. Das Platzen der Immobilienblase, ein Börsenabsturz können über Nacht zum Einbruch des Marktes führen. Das rissig gewordene Spekulationsfeld BRIC mit Brasilien, Russland und Indien bekommt jetzt mit Chinas Wirtschaftsschwäche deutliche Sprünge und das weiß Piëch genau, weshalb er einen Furz gelassen hat, der ob seiner globalen Würze gleich jedem in die Nase gegangen ist.

 

Daher mache ich mir um die Zukunft von Volkswagen keine Sorgen, so lange Piëch als Aufsichtsratsvorsitzender das Ruder weiter fest in der Hand hält. Allerdings wird es, um den Gestank seiner Worte in Wolfsburg wegzubringen, frischer Zugluft bedürfen. Ferdinand Piech ist zunächst einmal magisch-lustvoll auf das aktionäre Gaspedal getreten.