Den Wiener Grünen blies in den vergangenen Tagen ein rauer Wind ins Gesicht: Mit dem Übertritt eines Gemeinderats zum Koalitionspartner SPÖ platzte der Traum von der Umsetzung einer Wahlreform. Dies trug Parteichefin und Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou nicht nur Häme und Schelte von den Rathaus-Oppositionsparteien FPÖ und ÖVP ein, sie musste sich auch heftige Kritik von der Basis gefallen lassen.
Jetzt ist die Sensation perfekt: Burkhard Ernst wird für die Wiener Grünen auf einem vorderen Listenplatz kandidieren, wie er selbst bestätigt. „Man ist an mich herangetreten und hat mir angeboten, die Wiener Verkehrspolitik mitzugestalten. Ich habe lange überlegt, und mich letztendlich entschlossen, die Herausforderung anzunehmen“, so Ernst. Ihm sei bewusst, dass er als grüner Mandatar „durchaus auch Kompromisse schließen“ müsse. Allerdings gebe es ideologische Gemeinsamkeiten mit den Grünen, die er künftig viel stärker ausleben werde als in den früheren Jahren: „Beispielsweise ist mir ein Bruch der patriarchalen heteronormativen Herrschaftsordnung in unserer Gesellschaft und das damit einhergehende konsequente ‚Gendern’ der Sprache ein echtes Anliegen.“ Ernst bekennt sich auch zum Tier- und Naturschutz (seinen Jagdschein hat er vor längerem zurückgelegt) und hat den Mitarbeitern der Rainer Kfz-Handels AG einen fleischfreien Tag verordnet.
Stichwort Kfz-Handel: Gegensätze zwischen seinem beruflichen und seinem künftigen politischen Engagement will Ernst nicht erkennen. „Unsere Marke Mazda bietet mit ihrer zukunftsweisenden Skyactiv-Technologie schon jetzt eine der umweltfreundlichsten Möglichkeiten, mobil zu sein.“ Außerdem habe er sich mit der regelmäßigen Vermarktung von Kurzzulassungskontingenten anderer Hersteller seit langem um die Reduktion der Fahrzeuglagerbestände („ein ökologischer Wahnsinn“) verdient gemacht, so Ernst.
Parteichefin Maria Vassilakou bestätigt auf Anfrage die Kandidatur: „Mit Burkhard Ernst haben wir am 1. April einen erfahrenen Vollprofi gewonnen, der nicht nur über die nötige Weitsicht verfügt, sondern sich auch harmonisch in ein von einer starken Frau geführtes Team einfügt.“
