Die Antwort liegt meines Erachtens weit in der Vergangenheit. Regelmäßig missachten Kfz-Betriebe Anstand und Regeln und ziehen Kunden über den Tisch. Der Ausdruck „Rosstäuscher“ kommt nicht von ungefähr. Die Standesvertretungen richteten dagegen Schlichtungsstellen ein, die regelmäßig einschreiten, um der Öffentlichkeit eine Nullproblemquote melden zu können.
Das ist gegenüber Konsumentenschutzorganisationen vielleicht ein Placebo, denn die Wahrheit sieht anders aus. Wie sonst könnten Pickerlmissbrauch und unseriöse Reparaturpraktiken so oft in die Tagesnachrichten gelangen? Solche Tatsachen werden gern negiert, das Kfz-Service bleibt seinem Schicksal überlassen und diverse Medien haben ihre Gaudi damit.
Das, was mich wütend macht, ist der Umstand, dass Verfehlungen lieber vertuscht als bereinigt werden. Nur so ist es erklärbar, dass unbelehrbare Werkstattbetreiber das ansonsten erstklassige Qualitätsangebot immer wieder mit ihren Rosstäuschermanieren unterlaufen können. Wie im gegenständlichen Fall, wo ein türkischstämmiger Kfz-Fachmann die von ATV aufgestellte §-57a-Falle durchschaut und die kurzberockte Journalistin mit ihrem Pickerl-Begehren abgelehnt hat, hingegen zwei österreichischstämmige Kfz-Werkstätten ihre liebe Not mit ATV hatten.
Nun sollen Ross und Reiter auseinander gehalten und ATV mit aller Macht bearbeitet werden, die Identität der Versager zu verschleiern, obwohl Exempel zur Besserung der Situation durchaus angebracht erscheinen. Was machen die Funktionäre untereinander? Sie geben sich gegenseitig Schuldzuweisungen. Was soll das? Einerseits will man „Schwarze Schafe“ eliminieren, andererseits schützt man sie unter dem Vorwand "sich nicht die Branche beschmutzen zu lassen" vor Veröffentlichung.
Markenwerkstätten kennen das in Form von Mystery-Shopping und keiner regt sich darüber auf, wenn folglich ein Versager auch ausgeschieden wird. Es muss uns klar sein: Gleichgültigkeit ist der Freund des Feindes, derjenigen, die Wirtschaftstreibende mit ihren automobilen Einschränkungsaktionen ohnedies schwer schädigen und kontinuierlich Arbeitsplatzvernichtung betreiben.
Entgegen Fahrzeugherstellern können lokale Kfz-Betriebe und -Dienstleister nicht nach China, Indien Brasilien oder Russland ausweichen. Es ist immer der Aggressor, der von unserer Gleichgültigkeit profitiert und niemals das Opfer. Jahr für Jahr gibt es die Fälle, die aufregen und Stoff für negative Kfz-Storys abgeben. Fehler darf jeder machen. Sie proaktiv eingestehen anstatt die Story-Macher ob ihrer Aufdeckungen zu beschimpfen, wäre ein gangbarer Weg. Ansonsten sind alle Standesregeln nichts wert und die Vertreter der Kfz-Branche nehmen immer höhere Risiken auf sich, die falschen Mitglieder zu schützen.
Daher rate ich unter Ausschluss von „funktionären Eitelkeiten“ bei immerhin 5000 (!) Mitgliedern zu einer solidarischen Konfliktbewältigung. Übrigens ein Paradefall für die konzertierten Lobbyingaktivitäten des Wolfgang Rosam, der es beherrscht, negative Begleiterscheinungen in positive Argumente umzukehren. Wenn zunächst einmal Einigkeit im Kfz-Gewerbe untereinander herrscht. Exakt das, was A&W-Herausgeber Helmuth H. Lederer immer und immer predigt: Aus Fehlern lernen und sich nicht einbunkern! Übrigens: ATV startet am 14. Oktober 2013, 21.10 Uhr, mit „Der große Österreich-Test“ ein neues Hauptabend-Service-Format, in dem österreichische Unternehmen, Produkte und Dienstleistungen getestet werden. Gestartet wird mit einem Kfz-Werkstatttest!
