Eine „bessere Verkehrswelt“ und eine „Mobilität mit Zukunft“ ohne Automobile vorantreiben zu wollen, ist ein mutiger Ansatz, der vor allem die Wirtschaft unseres Landes, dessen Wohlstand überproportional von der Autoindustrie abhängt, massiv belastet.
Anstelle Schutzmaßnahmen gegen Unwetterfolgen zu forcieren oder sich für die Altenpflege einzusetzen, werden um Milliarden Euro Verkehrsflächen zurückgebaut, ganze Autobahnen samt Nebenstraßen und Wegen elektrifiziert und Geld dafür ausgegeben, den jeweils anderen Verkehrsteilnehmer zu ärgern. Jetzt, wo durch die Flutwelle wieder Milliardenschäden zu beklagen sind, wird sichtbar, dass man Automobile nicht mutwillig beschränken kann. Hier kommt keine Aussendung des VCÖ, das passt nicht in sein Handlungsmuster.
Was folgt daraus? Sollte die Autofraktion etwas wirklich Unschönes tun, damit es in der Gunst einer kleinen, lautstarken Minderheit aufholt? Hier sind aber auch die Interessenvertretungen der Automobilwirtschaft gefragt. Mehr als bisher müssen sie aktiv agieren – das Feld der öffentlichen Meinung darf nicht mehr den Agitatoren überlassen werden. Jedenfalls sollen sich die alternativen Verkehrsteilnehmer künftig vielleicht etwas weniger wehleidig beklagen. Ohne Automobilität geht es nicht und mit Bahn und Fahrrad allein geht es auch nicht. Zu Fuß überhaupt nicht.
Helfen Sie, Bedingungen zu schaffen, unter denen alle Verkehrsteilnehmer, gereiht nach ihrer wirtschaftlichen Bedeutung, existieren können. Existenz benötigt Arbeitsplätze in der Region, um urbane Überfüllung zu vermindern. Straßenflächen wieder dem Verkehr zurückzugeben, wäre Sinn stiftende Aufgabe des Verkehrsclubs. Wenn man ein Drittel der Straßen zurück baut, ein weiteres Drittel für Baustelleneinrichtungen, Schanigärten und sonstige Fremdnutzung kassiert, darf man sich nicht wundern, wenn es im Volk zu Meinungskollisionen kommt. Möglicherweise wird die Logik dieses Mobilitätskonflikts sowieso dazu führen, dass Menschen in ihrem Egoismus aktiv werden. Aber Deeskalation mit Taten, dies wäre im Augenblick klüger. Bereite dich auf das Ärgste vor, sei aber ruhig und provoziere nicht – das wäre wohl die bessere Leitlinie für ein verkehrsverträgliches Miteinander. Denn hinter allem, was im Land passiert, steht die Politik. Der VCÖ kann den Lauf der Ereignisse in Österreich und in Europa letztendlich nicht beeinflussen. Es wird geschehen, was geschehen muss. Inzwischen wird man sich auf noch größere Arbeitslosigkeit vorbereiten, mit jedem weiteren Zurückdrängen der Automobilität gehen wiederum Tausende von Arbeitsstellen verloren.
Noch repräsentiert Österreichs Automobilwirtschaft jeden 6. Arbeitsplatz im Land. Aber zündeln, nein zündeln sollte der VCÖ wahrlich nicht: Das kann nur zum Bumerang werden. Das Problem ist, dass der VCÖ in den Nachwehen und im Geist des Club of Rome gegründet wurde. In den 70er Jahren kam nicht zuletzt dank des Ölpreisschocks der Gedanke auf, dass die Mobilität von Morgen ein ohne Verbrennungsmotor getriebenes Individualverkehrsmittel sein wird. War wohl so wie viele andere Prognosen nichts...
