In regelmäßigen Abständen werden Auto und Individualverkehr verdammt, die Fakten sind oftmals bewusst verdreht oder schlichtweg falsch. Aktuell hat der VCÖ (wieder einmal) die ach so bösen SUV für sich entdeckt und zum Rundumschlag ausgeholt. Horrend hoher Verbrauch und riesige Abmessungen machen diese Fahrzeuggattung zur pauschalen Gefahr. Und wenn man sich die Zuwachsraten in diesem Segment ansieht, dann sei lt. VCÖ-„Experten“ Mag. Markus Gansterer überhaupt sofortiger Handlungsbedarf gegeben.

 

Zwar wird in der VCÖ-Aussendung in einem Nebensatz erwähnt, dass es auch kleinere SUV-Modelle gibt, das hindert aber nicht daran, die Pauschalverurteilung fortzusetzen. Dass sich der VCÖ Porsche Cayenne und VW Touareg als Referenzfahrzeuge dieser Klasse herauspickt, hat mittlerweile System. Wirft man einen Blick in die Zulassungsstatistik, so sind diese beiden Hochpreis-Fahrzeuge aber wenig überraschend nicht im Spitzenfeld zu finden.

 

Dort tummeln sich vielmehr die kompakten SUVs, die auch für den Boom verantwortlich sind. Das Spektrum reicht von VW Tiguan über Ford Kuga und Hyundai ix35 bis hin zu noch kompakteren Modellen wie etwa dem neuen Opel Mokka. Dass viele dieser Autos mit einem Normverbrauch zwischen 4,5 und 6 Litern über die Runden kommen, erwähnt der VCÖ vorsichtshalber nicht, sonst wäre die vermeintlich heiße Story ja plötzlich auch nur noch bestenfalls warme Luft. Laut dem Verband der Automobilimporteure ist zudem der angeblich von Prof. Ferdinand Dudenhöffer geschätzte Mehrverbrauch eines SUV von 25 Prozent falsch, dieser liege bei maximal 10 Prozent.

 

Natürlich gibt es große SUV-Modelle, die mehr Sprit verbrauchen als andere Fahrzeuge, doch selbst diese Modelle kommen dank moderner Technik auf Verbrauchswerte, die vor zehn Jahren mit einem deutlich kleineren Fahrzeug kaum zu erzielen waren. Wäre die Umwelt und die Gesundheit der Bevölkerung tatsächlich ein Anliegen des VCÖ, so müsste man vielmehr fordern, ältere Fahrzeuge mit hohem Schadstoffausstoß aus dem Verkehr zu ziehen.

 

Doch es bleibt nicht allein beim Verbrauch, auch die Abmessungen sind den „Verkehrsexperten“ ein Dorn im Auge. Man müsse die Parkgebühren für die SUVs anheben, da diese mehr Platz benötigen. Für den Vergleich mit Kleinwagen muss – richtig geraten – wieder der Touareg herhalten, eines der größten Fahrzeuge im Segment, von dem im Jänner ganze 37 Stück zugelassen wurden. Zum Vergleich: Im Jänner wurden auch über 700 Einheiten des deutlich kleinere SUV Tiguan zugelassen, der ist gerade einmal 17 Zentimeter länger als ein Golf.

 

Und auch für das populistische Argument der Kindersicherheit ist sich der VCÖ nicht zu schade. Die würden beim Versuch die Straße zu überqueren später gesehen und einem höheren Unfallrisiko ausgesetzt. Ein Wunder, dass nicht gleich das Verbot von Minivans, Kombis, Lieferwagen und Lkw oder gleich des Automobils an sich gefordert wird. Dass ein SUV durch die höhere Sitzposition und dem dadurch besseren Überblick des Fahrers sicherheitstechnische Vorteile hat, bleibt freilich unerwähnt.

 

Traurig, dass es der VCÖ mit dieser einseitigen und zudem falschen Betrachtungsweise wieder einmal in viele heimische Medien geschafft hat, die solche Meldungen bewusst oder unbewusst 1:1 übernehmen.