Der Großhandel hat eingelagert, als gäbe es kein Morgen mehr. Jeder bestellt bei jedem. Würden alle Bestellungen von der Industrie erfüllt werden, hätte der Reifenhandel zum Vorjahr verglichen hochgerechnet heuer die doppelte Menge eingelagert.
Nach dem vorjährigen Lieferproblem, die Industrie reduzierte ihr Reifenangebot bis zu 20 %, lassen heuer viele Absatzpartner nichts anbrennen und bestellen ihre Planmengen gleich mehrfach. Schon stornieren einige Lieferanten Backorders, um auch andere Kunden bedienen zu können. Wie viele Reifen jeder ausliefert, spiegeln auch keine Poolzahlen wider.
Die M+S-Reifen liegen bei den falschen Vertriebspartnern, lamentiert das Industriemarketing. Sie machen sich nun Gedanken, wie sie Winterreifen auch für das laufende Tagesgeschäft bereithalten können, um nicht am Ende der Wintersaison auf ihrer Ware sitzen zu bleiben.
Der Großhandel zieht auch bereits Lieferungen an seine Kunden vor, damit die Lager nicht platzen. Bei annähernd stabilem Autohandelsgeschäft ist der Markt netto betrachtet aufgeblasen wie noch nie. Die Wahrsager haben Urlaub genommen, weil sie mit der Marktbewertung überfordert sind. Das vor dem Hintergrund vagabundierender Mengen, die dank Internet virtuell zusätzlich im Markt kreisen.
Nun stellt sich die Frage, wer denn in diesem mengenbestimmten Marktspiel zu spät kommt. Der Großhändler, der zaghaft eingelagert hat und am Ende die Ware von den anderen nachgeschmissen bekommt, oder jener, der genügend Vorrat angelegt hat?
Jedenfalls ist diese künstliche Schwängerung des Marktes nicht zuträglich für den Ertrag im Reifenhandel, weil wieder jede Menge und jede Qualität um jeden Preis verramscht werden wird. Für diese Erkenntnis brauchen wir keinen Wahrsager aus dem Urlaub zurückbeordern. Wie gesagt, das Winterhalbjahr entscheidet über den Jahreserfolg jedes Reifenspezialisten.
