Mit großer Mannschaftsstärke – wohl zur Demonstration hoher Kompetenz – werden von „Volkswagen Automobile“ Großkunden in Deutschland besucht, die derzeit von anderen Händlern betreut werden. Der Flyer dazu zeigt unverblümt, wo es langgeht.
Es war daher richtig, dem von der deutschen Branchenzeitung „Automobilwoche“ unkommentiert veröffentlichten Diktat zum von Volkswagen definierten Unterschied von „werkseigener Niederlassung“ und „werkseigenem Handelsbetrieb“ in www.info4you.co.at (565 vom 24.8.) die Realität gegenüberzustellen. Die Reaktionen auf unsere Glosse „Letztlich gehört alles der Mama“ sind landesübergreifend.
Passend zum Thema ist eine PDF-Datei des Flyers angefügt: Mit dem suggeriert die Volkswagen Retail GmbH (VRG) u. a., dass die brustschwachen privaten Vertragshändler keine adäquaten Partner seien und der Kunde sich unter Hinweis auf die Restwertthematik auf Geschäfte mit derartigen Leuten doch lieber nicht einlassen sollte. Außerdem seien sie, die VRG, als praktisch größter Autohändler in Deutschland auch der Hersteller und könnten damit alles aus einer Hand bieten.
In diesem Zusammenhang erlangt der Titel der Web-Adresse auf dem Flyer zusätzliche Bedeutung. Wer würde dabei noch an einen „freien“ Unternehmer denken? Die Volkswagen-Pkw-Corporate Identity (CI) wird hier in Verbindung mit Logos anderer Konzernmarken gebracht, für die z. B. in Hamburg zum Teil nur Serviceverträge bestehen. Falsche CI (denn Großkundengeschäft ist Konzerngeschäft), Verwendung von Vertriebslogos ohne bestehenden Vertrag. Nichts ist dem VW-Vertriebsvorstand Dr. Christian Klingler heilig. Stellen Sie sich vor, ätzen die Malträtierten, so etwas hätte ein „freier Händler“ gemacht! Autsch!
Oder man schaue sich den Öl-Deal an, den die VRG vor einigen Wochen geschlossen hat. Der Konzern begründet eine – hoch dotierte – Kooperation mit Castrol, und die eigene Tochter schließt für ihre Betriebe und mit dem Segen des Vorstands einen Vertrag mit ExxonMobil. Strategie ist das eine, die Marktrealität das andere.
Da wedelt wohl der Schwanz mit dem Hund. Hehre Worte sind das eine, nackte Zahlen und die Realität aber das andere. Soll heißen: Der Konzern mag keine bewusste Einzelhandelsstrategie haben, dennoch befindet sich ein Großteil des deutschen und bald auch des austroeuropäischen Retailgeschäfts in seinen Händen. Und dessen Manager sind von Herrn Klingler angehalten, schwarze Zahlen zu produzieren.
