Der österreichische Automarkt befindet sich in einer Phase tiefgreifender Veränderungen. Für viele Konsumentinnen und Konsumenten ist kaum mehr nachvollziehbar, welche Antriebsform heute sinnvoll ist, welche Kosten in Zukunft zu erwarten sind – und ob es überhaupt ein guter Zeitpunkt ist, ein Auto zu kaufen. Gleichzeitig stehen auch Handel, Hersteller und Importeure vor großen Herausforderungen. Selten zuvor war der Markt so stark von Unsicherheit, politischen Eingriffen und raschen technologischen Entwicklungen geprägt.
Pandemie, Chipkrise, Lieferengpässe und stark schwankende Energiepreise haben den Markt in den vergangenen Jahren massiv verzerrt. Preise haben sich verschoben, Lieferzeiten explodierten, Gebrauchtwagen wurden plötzlich teurer als Neuwagen. Gleichzeitig drängen neue Antriebskonzepte in den Markt, während klassische Technologien an Bedeutung verlieren. Vor allem für private Käufer ist die Situation unübersichtlich wie selten zuvor.
Dabei zeigt sich sehr klar: Wer den österreichischen Automarkt verstehen will, darf sich nicht nur auf Neuzulassungen konzentrieren. Entscheidend ist der Gebrauchtwagenmarkt. Dort zeigt sich, wie Menschen tatsächlich mobil sind, was sie sich leisten können und welche Technologien im Alltag funktionieren.
Der Gebrauchtwagenmarkt als Spiegel des Alltags
Mit 825.477 Gebrauchtzulassungen bleibt der Gebrauchtwagenmarkt der mit Abstand wichtigste Automarkt in Österreich. Hier zeigt sich die tatsächliche Nachfrage der oftmals privaten AutokäuferInnen unverzerrt. 2025 verzeichnete der Gebrauchtwagenmarkt einen leichten Anstieg, allerdings mit deutlichen Verschiebungen. Gebrauchte Elektroautos legten um 20,9 Prozent zu, Benzin-Hybride sogar um 35,4 Prozent. Gleichzeitig gingen gebrauchte Diesel um 5,8 Prozent zurück, bleiben aber mit 47,7 Prozent Marktanteil die dominante Kraftstoffart am GW-Markt.
Diese Zahlen werden oft als Beleg für eine steigende Nachfrage nach Elektrofahrzeugen interpretiert. Aus unserer Sicht greift diese Schlussfolgerung zu kurz. Der Zuwachs ist in erster Linie angebotsgetrieben. Viele Fahrzeuge, die vor zwei bis fünf Jahren als Firmenwagen angeschafft wurden, kommen nun auf den Markt – unabhängig davon, ob private Käufer sie tatsächlich nachfragen.
Firmenrückläufer als Herausforderung
Besonders bei Elektroautos zeigt sich aktuell ein strukturelles Problem. Viele der nun verfügbaren gebrauchten E-Fahrzeuge stammen aus Firmenflotten. Sie sind gut ausgestattet, technisch komplex – und waren als Neuwagen sehr teuer. Neupreise von 60.000 oder 70.000 Euro sind keine Seltenheit.
Auch nach deutlichen Wertverlusten bleiben diese Fahrzeuge für viele Privatkundinnen und -kunden schwer leistbar. Der typische österreichische Gebrauchtwagenkäufer bewegt sich in einem Preisbereich zwischen 10.000 und 20.000 Euro. In diesem Segment sind gebrauchte Premium-E-Autos kaum vertreten. Hinzu kommt die rasche technologische Entwicklung. Fünf Jahre sind in der Elektromobilität eine lange Zeit. Reichweiten steigen, Ladeleistungen verbessern sich, Software wird laufend weiterentwickelt. Ein Elektroauto aus dem Jahr 2020 wirkt 2025 oft bereits technisch überholt. Das drückt die Preise zusätzlich und erhöht die Unsicherheit bei potenziellen Käufern.
Plug-in-Hybride: Ein schwieriges Erbe
Auch bei Plug-in-Hybriden sehen wir zunehmende Probleme. Diese Fahrzeuge wurden jahrelang stark gefördert, auch in Österreich. In der Praxis wurden viele davon jedoch kaum oder gar nicht geladen und überwiegend wie klassische Verbrenner genutzt.
Das rächt sich nun am Gebrauchtwagenmarkt. Plug-in-Hybride sind schwer, technisch komplex und im realen Betrieb oft ineffizient. Für private Käufer ohne Lademöglichkeit ergibt ein solcher Antrieb wenig Sinn. Was im Dienstwagenbetrieb steuerlich attraktiv war, überzeugt private Käufer immer weniger.
Diesel: Weniger Angebot, stabile Nachfrage
Während der Diesel in Deutschland stark an Bedeutung verliert, zeigt sich in Österreich ein stabileres Bild. Das Angebot schrumpft, vor allem im Kleinwagensegment gibt es praktisch keine Dieselmodelle mehr. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage – insbesondere bei Vielfahrern – hoch.
Diese Kombination führt dazu, dass viele gebrauchte Dieselmodelle relativ wertstabil sind. Moderne Diesel sind effizient, langlebig und für bestimmte Nutzungsprofile weiterhin die wirtschaftlichste Lösung.
Händler unter Druck
Auch der Handel steht vor großen Herausforderungen. Hohe Listenpreise, sinkende Nachfrage und ein Überangebot an bestimmten Modellen – insbesondere bei Elektroautos – belasten die Betriebe. Viele Händler reagieren mit hohen Rabatten, Tageszulassungen und Sonderaktionen, um Lagerbestände abzubauen.
Gleichzeitig steigen die Restwertrisiken, was Leasing verteuert. Das wirkt sich wiederum auf die Nachfrage aus und verstärkt die Unsicherheit im Markt.
Gebrauchtwagenpreisentwicklung
Der österreichische Gebrauchtwagenmarkt zeigt sich in den vergangenen Monaten stabil. Aufgrund der rückläufigen Neuzulassungen in den vergangenen vier bis fünf Jahren fehlt es spürbar an jungen Fahrzeugen im Angebot. Die Restwerte liegen weiterhin über dem Vor-Pandemie-Niveau, sinken jedoch langsam und kontinuierlich. Unter Druck stehen vor allem die Werte älterer batterieelektrischer Fahrzeuge (BEVs). Dort sind bereits deutliche Wertverluste eingetreten, sie sind somit preislich attraktiv. Klassische Benziner, Mild-Hybrid-Modelle (MHEVs) und Dieselfahrzeuge halten ihren Wert derzeit gut.
Verlässliche Rahmenbedingungen statt Unsicherheit
Die Mobilitätswende verläuft langsamer als noch vor einigen Jahren erwartet. Gleichzeitig führt die politische Unsicherheit zu spürbarer Zurückhaltung. Kurzfristige Förderstopps, wechselnde steuerliche Vorgaben und unklare Zielrichtungen erschweren sowohl Planung als auch Investitionen. Wichtig sind klare politische Leitplanken und wettbewerbsfähige Produkte. Nur mit verlässlichen Rahmenbedingungen, fairen Preisen und einem attraktiven Angebot können sich neue Antriebsformen dauerhaft im Alltag durchsetzen.
