Als sogenannter „Digital Native“ würde ich von mir behaupten, dass ich digitalen Lösungen und Nutzererfahrungen gegenüber nicht abgeneigt bin. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen: Digital ist besser.
Aber ist daran wirklich alles besser? Mitnichten. Zum Beispiel die klassische Messe. Und im speziellen Fall Automessen. Auf engstem Raum hat man so viel geballte Information und nirgendwo hat man die Möglichkeit, in so kurzer Zeit die verschiedenen Modelle nicht nur zu sehen, sondern auch zu erleben. Und ich denke, dass wir uns alle einig sind, dass das Gefühl, wenn man im Auto sitzt und das Lenkrad angreifen und die verschiedenen Schalter und Knöpfe ausprobieren kann, durch kein digitales Erlebnis zu ersetzen ist. Zumindest nicht bisher, wenngleich sich auch in diesem Bereich einiges tut – Stichwort Virtual Reality. Also nein, Digital ist bei Weitem nicht immer besser.
Und das merkte das AUTO-&-Wirtschaft-Team auch bei seinen Besuchen der diversen regionalen Automessen in den vergangenen Wochen. Die Berichte dazu lesen Sie in der Fokus-Strecke dieses Magazins. Egal ob es die Motion Expo in Graz war oder der Eisenstädter Autofrühling, der mangels Messehalle in den Autohäusern der einzelnen Händler in der burgenländischen Landeshauptstadt stattfand. Die Menschen wollen wieder Auto. Und das nicht zu knapp. Denn quer durch Österreich jagten die (Haus-)Messen Besucherrekorde der Vorjahre.
Qualität statt Quantität
Dabei unterscheiden sich die Konzepte mancherorts gewaltig. Konkret geht es schon mal darum, ob die Messe bei freiem Eintritt stattfindet oder die Besucher für ihre Gusto-Runde etwas bezahlen müssen. Wie heißt es in einem Sprichwort so schön: „Was nichts kostet, ist nichts wert!“ Und genau hier kann man schon, noch bevor sich die Messetore öffnen, die Spreu vom Weizen trennen. Die Gefahr, dass die üblichen Kugelschreiber-Sammler eine Messe besuchen, wenn der Eintritt etwas kostet, ist deutlich geringer, als wenn man sie kostenlos besuchen darf. Denn die anwesenden Händler, die durchaus gutes Geld für ihre Messestände bezahlen, wollen vor allem eines: potenzielle, echte Kunden. Also Personen, die nicht nur schauen, sondern im Idealfall auch wirklich ein Auto kaufen wollen. Und genau hier zeigt sich ein erfreulicher Trend.
Wie man von den Messen aus Graz, Innsbruck, Linz und Co. hört, haben diese „echten“ Kunden auch tatsächlich ihren Weg in die Messehallen gefunden. Nicht wenige Händler berichteten von Kaufabschlüssen direkt bei der Messe und viele weitere haben die Kalender in den kommenden Wochen üppig mit Probefahrten gefüllt. Die hohe Kundenfrequenz bei einer Messe ist also durch nichts zu ersetzen.
Aber verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Die Konsequenz darf nicht lauten, dass man seine digitalen Vertriebskanäle brach liegen lassen darf. Der Kunde, der dieses Mal nicht zur Messe kam, sucht vielleicht in ein paar Wochen oder Monaten nach einem Auto. Denn Messe ist nur einmal im Jahr!
