Europas Autoindustrie hat bei der Klimawende ihre Hausaufgaben gemacht.“ ACEA-Generaldirektorin Sigrid de Vries bezifferte im Herbst 2024 die Investitionen für diese (unfreiwilligen) „Hausaufgaben“ mit 250 Milliarden Euro. Basierend auf realitätsfernen Vorgaben der EU, die dennoch zu erfüllen waren. Keine zwei Jahre später erfolgt nun der Katzenjammer. Laut einer Analyse der Beratungskanzlei Ernst & Young Global Limited (EY) in London summieren sich die Belastungen durch die nunmehr erforderlichen Wertberichtigungen für Batteriefabriken, Entwicklungsprojekte und neue Modellreihen für die Jahre 2025 und 2026 weltweit auf fast 60 Milliarden Euro.
„Die Autoindustrie steckt in einer tiefen, für einige Unternehmen existenzbedrohenden Krise“, urteilt Constantin M. Gall, EY-Spezialist für globale Mobilitätsstrategien, pessimistisch. „Viele Konzerne hatten ihre Investitionen auf wachsende Absatzmärkte und einen dynamischen Hochlauf der Elektromobilität ausgerichtet. Tatsächlich entwickelte sich die Nachfrage nach E-Autos insbesondere in den USA und Europa deutlich schwächer als prognostiziert.“ Die finanziellen Folgen treffen nicht nur die global agierenden Autoproduzenten, sondern genauso deren lokale Zulieferer – und letztlich auch jeden einzelnen Autohändler.
„Was als Zukunftswette begann, wird für viele Autokonzerne zunehmend zur milliardenschweren Belastung“, analysiert EY die Situation der 19 weltweit führenden Autokonzerne. Vier von ihnen rutschten bereits in die roten Zahlen. Mit einem Abschreibungsbedarf von rund 22 Milliarden Euro hat es Stellantis am ärgsten erwischt. 15 Milliarden entfallen davon auf den politischen Strategie-wechsel – weg von Elektroautos – am US-Markt. Dementsprechend sind davon auch Ford (umgerechnet 18 Mrd. Euro) und General Motors (rund 7 Mrd.) betroffen. Honda hat ebenfalls stark auf die E-Mobilität gesetzt – und muss dafür 14,5 Milliarden Euro abschreiben.
Die Folge: Der Gesamtgewinn der 19 analysierten Autokonzerne brach 2025 weltweit um 59 Prozent ein, schrumpfte von 143 auf 59 Milliarden Euro. Die Gewinnmarge sank von 6,7 auf 2,8 Prozent (somit auf einen historischen Tiefstand), obwohl der Umsatz mit einem kleinen Plus von 0,6 Prozent weltweit stabil blieb. Die deutschen Konzerne schnitten bei herben Markteinbußen in China mit einem Umsatzrückgang von 4,1 Prozent allerdings schlechter ab als die Konkurrenz.
Die realitätsferne Industrie- und Klimapolitik der EU war eine (voraussehbare) Einladung für chinesische Produzenten. Noch liegen die drei größten Chinesen aktuell auf den Plätzen 10, 15 und18 im internationalen Umsatzranking. Doch konnten die drei Marktleader BYD, Geely und Great Wall Motors ihren Umsatz um 9,3 bzw. 16 Prozent deutlich steigern. Geely verbucht sogar – als rare Ausnahme – ein Gewinnwachstum. Bei den beiden anderen sanken die Gewinnmargen moderat um 13 Prozent. Das, was damals für eine erfolgreiche EU-Energie-Transformation erforderlich gewesen wäre und was auch heute noch fehlt, ist die erforderliche Infrastruktur. Insbesondere die dafür erforderlichen Leitungen, um die neue „grüne“ Energie entsprechend nutzen zu können. Weiters entsprechende Speicherkapazitäten, um die bei Wind und Sonnenschein produzierten Strommengen während düsterer Flautezeiten verfügbar zu haben.
„Ein klimaneutrales Österreich braucht, um die Elektrifizierung von Verkehr, Industrie und Gebäuden zu schaffen, bis 2040 doppelt so viel Strom wie jetzt“, erklärte 2024 die Geschäftsführerin des Dachverbandes „Erneuerbare Energie Österreich“ (EEÖ), Dipl.-Ing. Martina Prechtl-Grundnig. Dazu wären bis 2040 allein für den Netzausbau 53 Milliarden Euro nötig (44 Milliarden für Verteilernetze, 9 Milliarden für Übertragungsnetze). In Deutschland wird der entsprechende Investitionsbedarf bis 2045 auf 651 Milliarden Euro geschätzt. Die Kosten für den gleichzeitig notwendigen Ausbau der Speicherkapazitäten sind da noch gar nicht mitgerechnet. Wie das finanziert werden soll, bleibt unklar.
