Beim Technologieforum im Rahmen der MotionExpo in Graz trafen sich Importeurs-Sprecher Günther Kerle, Fahrzeughandels-Obmann Klaus Edelsbrunner und Stellantis Österreich-Chef Markus Wildeis zu einem Podiumsgespräch auf der Bühne. Beim Titel „Was kommt an?“ stand natürlich DAS Thema der Autobranche im Mittelpunkt: die Elektromobilität.
In dieser Runde bestand kein Zweifel daran, dass die Reise in Richtung batterielektrischen Pkw geht. Es gab aber auch Einigkeit darüber, dass der Hochlauf langsamer erfolgt, als von Hersteller und Politik geplant. Für den Handel ist das weniger dramatisch, wie wohl die Verunsicherung des Konsumenten den gesamten Neuwagenverkauf beeinträchtigt. Und auch die Ziele hinsichtlich (leicht entschärfter) Flottenziele werden für den Handel hoch bleiben.
Die größeren Probleme mit dem verzögerten Hochlauf treffen die Hersteller, wie Markus Wildeis von Stellantis erklärt: „Die Transformation dauert wesentlich länger. Die Doppelgleisigkeit in der Produktion kostet sehr viel Geld und bringt Wettbewerbsnachteile.“ Dabei ist Stellantis als einer jener Hersteller, der auf seinen Plattformen alle Antriebe verwenden kann, noch im Vorteil. Dennoch ist eine lang andauernde Parallel-Entwicklung – wie für alle Hersteller – teuer und aufwändig.
„Wir können nicht mit gleicher Intensität auf allen Hochzeiten tanzen“, hat Michael Steiner als Leiter Konzern Forschung und Entwicklung bei Volkswagen schon beim Wiener Motorensymposium 2024 gesagt.
Das hat eine bestechende Logik: Eine rasche Transformation wäre in der entsprechenden Phase natürlich schmerzhaft, langfristig wäre man aber besser aufgestellt und in der neuen Technologie früher wettbewerbsfähig, sowohl was Performance als auch Preise betrifft. Denn Skaleneffekte, also hohe Stückzahlen, sind die wichtigsten Parameter.
Umso verwunderlicher ist es, dass nun von einigen Seiten die verstärkte Rückkehr zum Verbrenner als Überlebensstrategie für die europäischen Automobilindustrie gefordert wird. Der Wunsch nach langfristiger Technologieoffenheit, nach langfristigen Parallel-Entwicklungen von verschiedenen Antriebssystemen im Pkw, ist nicht nachvollziehbar und wirtschaftlich nicht darstellbar, zumal die Überlegenheit der E-Technologie im Pkw eindeutig ist.
Der batterieelektrische Antrieb wächst, der Verbrenner verliert – das ist eine klare und unumkehrbare Entwicklung, die in den hochentwickelten und volumenstarken Automärkten der Welt sehr rasch erfolgt. Um die europäische Automobil- und Zulieferindustrie langfristig zu retten, um ihre Wettbwerbsfähigkeit auch in der neuen Technologie zu ermöglichen, muss man der Elektromobilität in Europa – im Sinne hoher Stückzahlen – rasch zum Durchbruch verhelfen, statt sie weiter zu bremsen. Denn 2035 spielt der Verbrenner beim Neu-Pkw ohnehin keine wesentliche Rolle mehr.
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