Die konservative EVP-Fraktion im Europaparlament will beim geplanten Verbrenner-Aus deutlich mehr Ausnahmen zulassen als bisher vorgesehen. Das geht aus einem Entwurf zum sogenannten Automotive Package hervor. Der italienische EVP-Abgeordnete Massimiliano Salini, Berichterstatter im Umweltausschuss, schlägt demnach 45 Änderungen am Kommissionsvorschlag vor.
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Kernpunkt ist eine neue Fahrzeugkategorie namens VEEF. Sie steht für Fahrzeuge, die ausschließlich mit zugelassenen erneuerbaren Kraftstoffen betrieben werden. Solche Autos sollen auch nach 2035 bei den CO₂-Flottenvorgaben als emissionsfrei gelten können. Zudem fordert die EVP zusätzliche Gutschriften, sogenannte Super-Credits, für kleine Elektroautos und elektrische Nutzfahrzeuge.
Kritik an "verwässerten" neuen Vorgaben
Auch Plug-in-Hybride sollen günstiger bewertet werden. Damit geht die EVP teils über die Linie der EU-Kommission und der Bundesregierung hinaus. Die Kommission hatte bereits vorgeschlagen, ab 2035 nicht mehr vollständig, sondern nur noch zu 90 Prozent CO₂-freie Neuwagenflotten vorzuschreiben.
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Die EVP-Vorschläge würden diese Vorgabe nach Ansicht von Kritikern weiter verwässern. Von SPD und Grünen kommt scharfe Kritik. Tiemo Wölken (SPD) sprach von „Öllobbyismus“, Michael Bloss (Grüne) von einem „Selbstbedienungsladen für Lobbyinteressen“.
Zustimmung kommt hingegen vom Verband der Automobilindustrie. VDA-Präsidentin Hildegard Müller sieht wichtige Impulse für mehr Technologieoffenheit, vor allem durch die stärkere Berücksichtigung erneuerbarer Kraftstoffe.
