Während Autohersteller und Zulieferer in hohem Ausmaß auf Elektromobilität umstellen, fordern viele Branchenteilnehmer „Technologieoffenheit“ im Bereich der Fahrzeugantriebe. Damit soll dem Verbrennungsmotor das Überleben ermöglicht werden.
Doch während E-Fahrzeuge bereits verfügbar sind und in großer Zahl in den nächsten Jahren auf den Markt kommen werden, sind grüner Wasserstoff und e-Fuels noch weit von einer großindustriellen Produktion, einem flächendeckenden Einsatz, entsprechenden Voluminas und konkurrenzfähigen Preisen entfernt. Und der Zeitfaktor spielt in der Klimakrise eine entscheidende Rolle.
Die Erzeugung von E-Fuels (die über die Herstellung von Wasserstoff erfolgt) benötigt ein Vielfaches der Energie, die für die Stromerzeugung notwendig ist. Danach werden diese synthetischen Kraftstoffe in Motoren verwendet, deren Wirkungsgrad maximal halb so groß ist wie jener des Elektromotors. Das sind technologisch keine guten Voraussetzungen. Auch beim Preis sind wir noch deutlich von Benzin- und Diesel entfernt.
Nachdem es in Europa ohnehin eine Mammutaufgabe wird, den Stromverbrauch nachhaltig und CO2-frei zu erzeugen, sollen die e-Fuels in Wind- und Solarparks in Südamerika und Afrika produziert werden und dann (mit Schiffen) nach Europa transportiert werden. Das schafft neue Abhängigkeiten von (möglicherweise instabilen) Staaten und langen Logistikwegen. Corona-Logistik-Krise und Ukraine-Krieg zeigen, was das für Auswirkungen haben kann.
Das System steht dann im Wettbewerb zum akkubetriebenen Fahrzeug, dessen Strom teilweise vom eigenen Hausdach kommt.
Klar, wir werden Wasserstoff und auch e-Fuels zur Speicherung des überschüssigen Stroms (etwa bei Windenergie) brauchen und nutzen. Klar, wir werden sowohl Wasserstoff wie auch E-Fuels benötigen, um den auch in vielen Jahren noch hohen Pkw-Bestand co2-neutral zu betreiben, um Flugzeuge und Schiffe zu versorgen. Wer allerdings glaubt, dass die E-Fuels die Entwicklung von E-Fahrzeugen verhindern, unterliegt einem gefährlichen Irrtum.
Das (langsame) Auslaufen des Verbrennungsmotors hat zweifellos negative Auswirkungen auf die Erträge in den Werkstätten. Aber das wird trotz geforderter Technologie-Offenheit passieren. Es ist also notwendig, sich langsam aber konsequent auf die neuen Herausforderungen einzustellen: Ohne Panik und ohne Stress müssen die (freien) Werkstätten jetzt die neuen Technologien lernen, sich jetzt mit antriebsneutralen Tätigkeiten (Thermomanagement, Kalibrierung, Elektrik und Elektronik,...) auseinandersetzen. Nur so können die Betriebe überleben, wenn die große Zahl an E-Fahrzeugen am Markt und in den Werkstätten ankommt.
Was meinen Sie? Schreiben Sie mir: gerald.weiss@awverlag.at
Übrigens: all diese Themen – von der Elektrifizierung über die Kalibrierung bis zur Digitalisierung – bringen wir beim A&W WERKSTATT-FORUM am 1. Juni auf Bühne des Allianz-Stadions in Wien.
Seien Sie dabei und melden Sie sich gleich an: www.werkstattforum.at
Der A&W-Verlag bildet ein breites Meinungsspektrum ab. Kommentare müssen nicht der Meinung des Verlages entsprechen.
