Als der Autor dieser Zeilen vor mehr als 25 Jahren im Journalismus begonnen hat, hat AUTO & Wirtschaft ein gedrucktes Magazin pro Monat produziert, damit die Leser damit gut informiert, die Anzeigenkunden zufriedengestellt und entsprechende Erträge erwirtschaftet. Heute publizieren wir dieses Printprodukt nach wie vor, dazu sind über die Jahre die tagesaktuelle, stark frequentierte Website, 2 Newsletter wöchentlich, eine App (für die AUTO Information), Webinare, Download-Datenbank, Branchenverzeichnis und natürlich wichtige Veranstaltungeng gekommen. Wir bringen die Informationen heute (mit großer Freude aber ungleich mehr Aufwand) über viele Kanäle, Publikationen und Formate an die unverändert gleiche Zielgruppe. 

Warum ich das hier schreibe? Weil sich im Automobilvertrieb eine ähnliche Vielfalt entwickeln wird, weil es bei Vertriebs- und Nutzungsmodellen mehrere Kanäle geben wird. Neben Barkauf, Finanzierung, Leasing und Operating Leasing kommen Auto-Abo, Miete, Car-Sharing oder "Easing” (von Instadrive). VW startet in Deutschland mit Online-Leasing, AutoHero (von Auto1.com) bringt den Gebrauchtwagen bis nach Hause.

Es ist schwer abzuschätzen, was davon sich stärker durchsetzen wird und was vielleicht nur auf kleiner Flamme weiterköchelt. Aber vieles davon wird einen ernstzunehmenden Marktanteil bekommen und einen Teil vom Kuchen beanspruchen. Die Frage ist letztlich nur: spielt der etablierte Autohandel noch mit oder läuft das Geschäft daran vorbei. Und wer verdient am meisten daran? Denken Sie etwa an die Hotelbuchungsplattformen oder gleich an Airbnb.

Dabei hängt es beispielsweise davon ab, wer die entsprechende App anbietet. Kommen die Fahrzeuge bei Auto-Abo-Lösungen direkt vom Hersteller oder wird der Autohandel noch eingebunden? Glauben Sie, dass es den Nutzer von Lieferservice-Apps noch interessiert, wer die Pizza in den Ofen schiebt?

Wo werden die Service- und Wartungsarbeiten, Reparaturen und der Reifenwechsel durchgeführt. Welche Teilepreise und Stundensätze werden bei Flat-Rate-Lösungen an den Betrieb bezahlt? Welcher Betrieb darf überhaupt noch abrechnen? Wer bekommt die attraktiven Fahrzeugstandorte für das Carsharing im ländlichen Bereich: am Hauptplatz, beim Bahnhof,... Viele offene Fragen, die irgendwann beantwortet werden.

Heute werden manche Nutzungsmodelle noch belächelt. Doch selbst wenn es heute noch kein Ertragsmodell ist, werden diese Themen mit der nächsten Käufergeneration an Dynamik gewinnen. Die Autohersteller und unzählige Startups wissen das längst. 

Daher gilt schon jetzt, die Entwicklungen genau zu beobachten, rechtzeitig dabei zu sein, die richtigen Partnerschaften zu bilden und vor allem jene Kooperation zu nutzen, die den Autohandel und das etablierte After-Sales-Netzwerk nutzen und nicht umgehen.

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