800.000 allein in Deutschland von den direkt von der Automobilität lebende Menschen werden von der Politik brüskiert und Millionen Autobesitzer von der eigenen Autolobby ignoriert. Das kommt einem Hochverrat automobiler Interessen gleich, richtet sich der Demonstranten Verhalten doch klar gegen die innere wirtschaftliche Stabilität Deutschlands und anderer EU-Länder.
Im „Greenwashing“ zeigt sich die IAA als Automesse mit Fahrradspalier. Den Charakter einer Automesse hat sich der Veranstalter selbst genommen. Ein Detail am Rande: Offizielle Ausstellersprache ist Englisch, obwohl vorrangig deutschsprachiges Publikum angesprochen werden will. Die Demonstranten hingegen skandieren ihre Antiauto-Parolen in Deutsch!
Was mögen sich Ex-Daimler-Chef Dieter Zetsche und Dr. Wolfgang Porsche bei ihrem „privaten“ Rundgang angesichts der üppigen englischsprachigen Formate des Dialogs gedacht haben, die explizit an die Seite der Fahrzeuge gestellt wurden und die in einer bemerkenswerten Minderheit sind?
Am Ende wird die Rumpfmesse inklusive Krawallmacherszene der Veranstalter wieder wunderbare Besucherzahlen ausloben, wobei Schönwetter sich freundlicherweise mit der IAA verbündet hat.
Natürlich ist Kritik immer leichter als handeln. So wie das jetzt praktiziert wird, ist das ein Schuss ins eigene Knie. 1.400 Einsatzkräfte bewachen das gelichtete Automarkenangebot, die als Lückenbüßer von den Autobauern zwangsrekrutierten Zulieferer mit ihrem demotivierten Standpersonal und natürlich das techniküberladene für die Masse kaum leistbare Fahrradangebot.
Auf den Autobahnen blockiert eine immer militantere Aktivistenszene den Berufs- und Individualverkehr, bindet dabei weitere 4.000 Sicherheitskräfte, was dem Klimaschutz auch nicht zuträglich ist. So bildet die Polizeitruppe wohl den größten Teilnehmerblock auf der Messe.
Dabei erwies Nochkanzlerin Angela Merkel dem Münchner Tohuwabohu ihre „letzte“ politische Ehre. Wohlgesetzte Worte fanden vorrangig ihren negativen Widerhall nicht nur in den Ohren der geifernden Widerständler von Klima Gnaden. Auch die Medien arbeiten sich daran ab.
Die Neugier der Autohändler, sich vor Ort einen Überblick für ihre Zukunftsgestaltung zu verschaffen, wurde nicht gestillt, auch wenn die Hersteller gemein das Bekenntnis zu einer klimafreundlichen Mobilität mit Konzentration auf Elektroautos erneuerten. Die Ladeinfrastruktur wird es nicht schaffen, bis 2033 rein elektrisch angetriebene Modelle mit ausreichend passendem Öko-Strom zu versorgen.
Beispiel Open Space in der Münchener Innenstadt: Das Hauptinteresse der Besucher erlangten Porsche und Audi mit ihren (Elektro-)Boliden und nicht Mahle, Valeo, Google usw. mit ihren nur englisch artikulierten Mobilitätsvisionen.
Bevor ich mir jetzt ein Pendlerrad mit 110 Kilometer Reichweite um 4.300 Euro zulege oder einen 145 Kilogramm tragenden Lastesel mit Retourgang auf 24-Zoll-Rädern ab 8.300 Euro aufwärts, denke ich beharrlich darüber nach, wie sich die Autoindustrie von diesem Niedergang wieder erholen kann.
Ermattet vom Erlebten in München sitze ich sinnierend über die Sinne der Macher in der deutschglobalen Autoindustrie und finde zurzeit keine taugliche Antwort darauf. Vielleicht ändert sich das nach der deutschen Bundestagswahl.
Der A&W-Verlag bildet ein breites Meinungsspektrum ab. Kommentare müssen nicht der Meinung des Verlages entsprechen.
