Das Geschäft mit den nichtvermarkteten Autos – der eine nimmt dem anderen das Nichtgeschäft weg – geht, so das Kalkül der Marktmächtigen mit dem Agenturmodell, dem Ende zu. Es werden neue Realitäten geschaffen mit weniger Playern am Markt samt einkalkulierten Marktanteilsverlusten. Reaktionen aus dem Markt können unsere Abonnenten in der wöchentlichen AUTO-Information lesen.

Beim Wendemanöver hin zur politisch zwangsverordneten E-Mobilität besonders in Europa geraten jetzt bisherige Vertriebssysteme ins Wanken. Stellantis mit Peugeot, Fiat und Opel im Markenzentrum geht voran und führt die kommenden 2 Jahre in den Pilotmärkten Österreich, Belgien und Holland das einstufige Agentursystem ein. Wer für die Kosten dieses Experimentes aufkommt, haben die Strategen bislang nicht auf ihrer Agenda.

Am Ende dieser Disruption darf der Hersteller alles und der Agent nichts – außer in deren Auftrag zu vorgegebenen Konditionen fakturieren. Selbst ans Gebrauchtwagengeschäft legen die Mächtigen ihre Hand. Im Fall Stellantis werden auch Subpartner, in Österreich für viele Haupthändler unerlässliche Absatzbringer, abgeschafft. Wer nicht rasch eine andere adäquate Marke ergattern kann, hat als Markenhändler stark eingeschränkte Zukunftsaussichten.

Hingegen explodieren jetzt schon die Gründungen neuer freier Kfz-Betriebe mit bestausgebildeten, zunächst nicht mehr benötigten Markenfachkräften. Die können darauf hoffen, bei der Rückkehr zu konservativeren Vertriebssystemen wieder gebraucht zu werden, wenn die Pilotprojekte der Markenmacher scheitern.

Geht den Herstellern ihr Agentur-Modell auf, wird Preisdisziplin geschaffen und für den Endverbraucher verteuert sich die Individualmobilität. Händlern alter Schule wird jegliche Flexibilität genommen, auch wenn einige unter ihnen unter neuer Ägide zu den Gewinnern zählen werden. 

Jetzt wartet die Herde der Kfz-Unternehmer am Uferrand auf eine günstige Gelegenheit, den reißenden Strom halbwegs unbeschadet überqueren zu können. Die Schwachen werden von den darin befindlichen Krokodilen gefressen, der dezimierte Rest macht sich auf zu neuen Ufern. Und so mancher Räuber der Wirtschaft wird – völlig überfressen – selbst zum Opfer. Das Zusammenwachsen der physischen und der virtuellen Welt bleibt spannend.

Der A&W-Verlag bildet ein breites Meinungsspektrum ab. Kommentare müssen nicht der Meinung des Verlages entsprechen.