Kaum waren Simas Pläne publik geworden, geiferte der VCÖ bereits via Presseaussendung, dass der Tarif für pickerlberechtigte Anrainer mit 10 Euro pro Monat viel zu niedrig sei: In Amsterdam koste eine Parkberechtigung fast fünfmal, in Stockholm siebenmal so viel. Zudem müssten die Zonen in den großen Bezirken kleiner werden, sonst drohe zusätzlicher Autoverkehr innerhalb des Bezirks. Die Parkraumbewirtschaftung für ganz Wien ist laut VCÖ die Voraussetzung dafür, das Ziel der Stadtregierung, den Autopendlerverkehr nach Wien bis zum Jahr 2030 zu halbieren, erreichen zu können. Je mehr Gratis-Parkplätze in den Außenbezirken zur Verfügung stünden, desto mehr Beschäftigte pendelten mit dem Auto nach Wien.

Einmal mehr schlägt der VCÖ vor, Autobesitzer finanziell zusätzlich zu belasten – und gleichzeitig deren Aktionsradius einzuschränken. Zudem propagiert er stereotyp den Umstieg aufs Fahrrad, die Öffis oder ruft gleich zum Fußmarsch auf. Individuelle Mobilität soll es also schon geben – allerdings nur für topfitte Menschen. Dass man damit einen nicht unerheblichen Teil der Wiener Bevölkerung komplett ausschließt und ignoriert – 2020 lebten in der Bundeshauptstadt etwa 185.000 Menschen, die älter als 65 Jahre sind – scheint den „Experten“ des VCÖ offensichtlich egal zu sein. Oma und Opa sollen sich also aufs Lastenfahrrad schwingen, um Einkäufe zu erledigen, Gebrechliche mit dem Rollstuhl ins Spital oder zum Arzt gekarrt werden, Enkerl trotz Gehbehinderung mit den Öffis besucht werden.  

Die öffentlichen Straßen finanzieren sollen also weiter die Autofahrer, die durch Parkgebühren, MöSt, motorbezogene Versicherungssteuer, Maut und NoVA in Österreich brutal zur Kasse gebeten werden. 

Doch was tun, wenn die Zahl der Autos in der Bundeshauptstadt weiter schrumpft? Dann werden sich wohl auch die Radfahrer auf eine Straßenbenützungsgebühr samt Versicherungskennzeichenpflicht (nicht zuletzt wegen des unter Pedalrittern weit verbreiteten Negierens der StVO) einstellen müssen – es sei denn, sie wollen sich auf mit Schlaglöchern gepflasterten Schotterstraßen weiterbewegen.  

Welche Ausmaße die Abneigung gegen das Auto bei manchen Radfanatikern in der Bundeshauptstadt annimmt, war jüngst in einem ORF-Beitrag zu sehen. Ein selbsternannter „Aktivist“ radelte da „bewaffnet“ mit breitem Klebeband durch den Stadtdschungel: Entdeckte er ein Fahrzeug, dass nur einen Zentimeter über den Markierungsstreifen geparkt war, fixierte er es symbolisch mit einem Klebeband und stellte das ins Internet, um so auf das (vermeintliche) Falschparken aufmerksam zu machen. 

Natürlich nimmt der Hobby-„Parksheriff“ ausschließlich Pkw ins Visier. Dabei gäbe für ihn jede Menge Arbeit: Große Teile der Wiener Innenbezirke sind praktisch an jeder Straßenecke mit Fahrradständern zugepflastert: Angesichts der „Radleichen“ die an diesen monatelang vor sich hin rosten und „wertvollen Parkraum“ für Radler blockieren, würde ihm das Klebeband wohl bereits nach wenigen Minuten ausgehen… 

 

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