Das Tavares-Regime dreht weiter ungehemmt an der Daumenschraube. Opel wird auf ihrem Heimmarkt der IAA-Messeauftritt in München verwehrt und man kündigt gleichzeitig das Comeback der italienischen Nobelmarke Lancia unter einem französischen Chefdesigner namens Ploè an. Das wird Deutsche wie Italiener – v. a. aber die Konkurrenz – motivieren!
Der Markensammler nutzt dabei jede Gelegenheit, sein Wachstum auf Kosten der Basis zu gestalten. Um sich z. B. mit der Volkswagen-Markengruppe zu messen, muss sich der gebürtige Portugiese noch ordentlich strecken, seine Teams vor Ort stöhnen längst auf der Streckbank.
Sämtliche Marken von Stellantis zeigen sich unterdurchschnittlich in Markenprofil und Markenstärke. Die Produktangebote der Marken überlappen sich erheblich, sodass sich jeder/jede ausrechnen kann, worin der Ausleseprozess münden wird. Greifen wir jedoch einem Ergebnis nicht vor – ein markenübergreifender Stellantis benamster LCV erscheint nicht mehr abstrakt.
Wenn auch lange noch keine Details den ausnahmslos gekündigten 861 heimischen Vertragspartnern sichtbar gemacht werden, allein die Personalrochaden im Tagesgeschäft von Stellantis-Österreich sind bemerkenswert. Im Brief zum prompten Qualitätsüberprüfungsprozess sind plötzlich alte durch neue Namen ausgewechselt.
Christian Bley ist anstelle von Rüdiger Puchner, Direktor Teile & Service, Fulvio Cei anstelle von Konrad Böhm, der nun das Stellantis Händlernetz entwickelt, Direktor Qualität Österreich und der frisch ausgewiesene Österreich-Qualitätsverantwortliche Arno Dockx wiederum Bley berichtspflichtig. Jeder ein Fachmann für sich, wofür letztendlich wer verantwortlich ist, wird dem Betrachter vorenthalten.
Auditor Rudolf Gratz von der LRQA Lloyd’s Register of Quality Assurance aus dem deutschen Aichtal sitzt jetzt für Stellantis Österreich am Schachbrett, um Entscheidungen vorzubereiten. Namen sind austauschbar und das Spielbrett ist einem Kanalgitter gleichzusetzen. Man braucht sich während des Aussortierungsprozesses viele Funktionsnamen nicht zu merken.
Der Entfremdungsprozess ist eingeleitet! Wer nicht nach der Pfeife von Tavares tanzt, ist kein Partner mehr. Also werden viele das Lied des „Franzosen“ zu pfeifen versuchen und man darf gespannt sein, wie sich die Händlerverbände einzeln (Peugeot, Opel, Fiat) oder im Verbund verhalten werden. SOS ist in diesem Fall kein Hilferuf-Code, sondern der neue Name für den begonnenen Ausleseprozess.
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