Die Stellantis-Leute haben mit der Kündigung aller ihrer Markenverträge ein Vakuum entstehen lassen, um zunächst die „Guten“ und die „Bösen“ zu checken, bevor man neue Vereinbarungen eingeht. Also blicken wir nach St. Pölten ins Reich der Stellantis-Markenblöcke mit Peugeot, Fiat und Opel. 

Da ist die reg. Genossenschaft Raiffeisen Lagerhaus St. Pölten mit Peugeot im Zentrum. AV NÖ aus der AVAG-Welt der Augsburger Still-Familie hält die Marke Citroën, Hänfling wiederum Jeep. Während Wesely bei aller Markenvielfalt mit Renault, Suzuki und Kia maßgebend mit Opel verbandelt ist, besetzt die Familie Schirak mit Centro Automobile die Marken Fiat inkl. Professional, Abarth und allenfalls Alfa Romeo. 

Das Stellantis Markenportfolio verteilt sich in der 60.000 Seelen zählenden Landeshauptstadt mehr oder minder auf 5 Händler. Vergewärtigt man sich bisherige Vermarktungsträume des Tavares-Regimes mit seinen Online-, Agentur- und Selbstvermarktungsstrategien, wird der Wirtschaftsraum für einige – Tradition hin oder her – eng. 

Sollte nun auch in St. Pölten ein Stellantis-Markendach in Erwägung gezogen werden, braucht es genügend Platz, um den Kunden das Angebot ausreichend präsentieren zu können. Kenner der Szene fallen dann spontan nur noch die Namen Wesely und Schirak ein, die aus diesem Blickwinkel die Vorstellungen der Franzosen erfüllen können.  

Die Übriggebliebenen werden schauen, wie sie weiterkommen. Jedenfalls halten Händlernetzentwickler anderer Marken längst Ausschau nach neuen Partnern und haben erste Köder ausgeworfen. Manche werden aber zu schwach sein, um anzubeißen. Es fehlt ihnen entweder an finanziellem Rückhalt oder am Unternehmerwillen weiterzumachen. 

Das exemplarische Gedankenspiel mit St. Pölten ist auch auf andere Wirtschaftsräume anwendbar. Stellantis lässt sich die nächste Zeit sicherlich nicht in die Karten schauen. Jede Aussage heimischer Managerprominenz bedarf des Sanctus aus Paris, um umgesetzt zu werden. Wer anderes glaubt zu wissen, verfängt sich im Spinnennetz der Konzerninteressen oder im Wortkampf gegen den Klimawandel. 

Bis sich für viele die Nebel lichten, werden weiterhin Autos vermarktet und kundennaher Service gebraucht. Man hat ja 2 Jahre Zeit, sich auf neue Verhältnisse einzurichten. Das eine ist das Tagesgeschäft, das andere die zukünftige Vertragsgestaltung. Man diskutiert Vergangenheit und meint die Zukunft. Wenn auch davon die Margen nicht besser werden! 

Wer Schutz sucht in unternehmerisch unruhigen Zeiten, kann sich allenfalls an den Verband Österreichischer Kraftfahrzeugbetriebe (VÖK) in Person von Bernhard Kalcher wenden. Der direkte Weg über die Wirtschaftskammer ist aktuell wenig sinnstiftend.  

Dazu kommt, dass die Social-Media-Kanäle wahre Treibhäuser des Hasses geworden sind. In der emotionalen Hitze wächst die Aggression schneller, als eine reale Umwelt zulassen würde. 

Ohne den Machthabern in den Konzernen Übles vorwerfen zu wollen, lässt einem oft der Gedanke nicht los, dass die emotionale Dimension grundsätzlich in die Geschäftspraxis einkalkuliert wird. Eines lässt sich jedoch voraussagen: Jetzt geschasste Vertragspartner werden in 5 Jahren angefleht, ihre Marke wieder zu vermarkten. 

Ein Beispiel: Ein „blitz“gescheiter Markenhändler auf dem Land wurde 8 Jahre vertragslos gehalten. Dennoch verkaufte er erfolgreich über seine Kanäle die Marke weiter, um danach wieder einen Vertrag zu erhalten. Vielfalt muss man mit Neugier ertragen, lautet mein bescheidener Rat ohne Tat, denn ich kann maximal mit scharfer Zunge formulieren.