Herzlich willkommen in postfaktischer Zeit. Die Klima- und Umweltkritikerinnen und -kritiker wiederholen ihre Thesen so lange, bis die Thesen Teil „ihrer“ öffentlichen Wahrheit werden.
Am vom Radiosender Ö3 ganztägig geradezu infantil inszenierten „Muttertag für unsere Mutter Erde“ traf sich an diesem Dienstag Österreichs Autowirtschaftsprominenz mit dem Bundeskanzler zum Thema „Technologieoffenheit der Antriebstechnologien“.
Ob die von Frau Bundesministerin Gewessler vertretene EU-Linie am Verbrennerverbot 2030 festzuhalten abgestimmte Regierungsposition sei, ist laut der 18 Teilnehmer am Kanzlertreffen nicht im Sinne der Wirtschaft. Na, wollen wir das einmal glauben.
Gewessler indes mahnt den heimischen Öl- und Gaskonzern OMV zu mehr Bewusstsein für Klimaschutz, richtet dem designierten OMV-Chef Stern aus, dass künftig mit fossilen Energieträgern kein Geld mehr zu verdienen sei. Einfältiger geht es nicht mehr.
In der Politik geht es nicht um Wahrheit, sondern darum, was dem Wähler zugemutet werden will. Deshalb machen insbesondere Grüne ja auch nur Angebote und die etablierten Parteien ducken sich im Windschatten vor tatenvollen Antworten. Macht will verteidigt werden.
Die heimische OMV ist ein börsennotierter Erdöl-, Erdgas- und Chemiekonzern und hält 75 Prozent am petrochemischen Giganten Borealis, 25 Prozent hat Mubadala mit Sitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Gewessler und Getreue tauschen Fakten gegen Emotionen.
Wo allerdings bei wachsender Arbeitslosigkeit das Geld für Pflege, Bildung, Digitalisierung und Klimarettung herkommen soll, ist egal. Die wachsende Zahl der Nichtwähler will das vermutlich gar nicht wissen. Sie genießt, ohne arbeiten zu wollen, staatliche Unterstützung.
Billigjobs mindergebildeter Menschen werden rar und immer mehr Rentner sammeln Pfandflaschen, um über die Runden zu kommen. Mit dieser Wahrheit sind keine Wahlen zu gewinnen. Politische Konzepte für soziale Verträglichkeit bleiben auf der Strecke.
Das Ergebnis einer gespaltenen hochemotional geführten Social-Media-Diskussion in allen Gesellschaftsschichten ist eine merkbare Abwanderung in extreme politische Haltungen. Keine Diskussion ohne Fakten zerstört unsere Demokratie, ist Nährboden autokratischer Systeme.
Aber nicht nur Edelgrüne schlagen aus der Reihe. Die Wirtschaftsjournalistin und ehemalige ARBÖ-Chefin Ninz vergleicht in ihrem Gastkommentar im „Kurier“ Volkswagens Diesellüge mit der Defraudanten-Clique Wirecard, die anderen in Milliardenhöhe das Geld gestohlen hat.
Die VW-Fahrerin fühlt sich als Geschädigte „sittenwidrig und arglistig getäuscht“ und schwingt sich deshalb zu kühnem Vergleich auf, um zu ihrem und anderen Recht zu kommen. Bei allem berechtigten Ärger bleibt auch hier besonnene Argumentation auf der Strecke.
Da gibt es nur noch einen, der über Wahrheit und Lüge entscheidet: Gott! Daran ist bislang schon die Kirche gescheitert. Vermutlich, weil dafür keine Göttin vorgesehen war. Beten wir beim künftigen „Vater und Mutter unser“ für den Klimawandel!
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