Beim Lesen der unzähligen gescheiten Artikel meiner Kolleginnen und -kollegen der Tagespresse kommt mir auch schon der Gedanke, dass die nationalen Bemühungen, unser Klima zu retten, von den globalen Unmöglichkeiten verschlungen werden, wie der Linzer Ernst Oberndorfer in einem „profil“-Leserbrief ausführt.  

Laut Expertenmeinung emittiert China mehr Schadstoffe als alle anderen führenden Wirtschaftsmächte zusammen. Ähnliche Sorgen plagen mich auch in Bezug auf das Thema E-Mobility. Wir beruhigen unser grünes Gewissen auf dem Rücken der Menschen in den armen Regionen und belügen die Käufer und vor allem Käuferinnern der E-Autos mit CO2-Bilanzen, die auf Ökostrom basieren. Besonders bei uns! 

Tatsache ist, dass die Ökostrommenge begrenzt ist und dass jede Kilowattstunde, die zusätzlich durch die E-Autos verbraucht wird, thermisch erzeugt werden muss. 

Bürger Oberndorfer rät dazu, uns mehr auf Natur- als auf Klimaschutz zu konzentrieren, denn da können wir lokal tatsächlich noch einiges besser machen. 

Shell muss laut einem holländischen Gerichtsurteil mehr für das Klima tun, nämlich 45 Prozent ihrer (!) durch Produktion verursachten CO2-Schadstoffe reduzieren, obwohl ein Konzern allein das Klima kaum verändern kann. 

Das alles ist schwer auszuhalten, wenn jetzt Firmen verurteilt werden, die dem Staat jene Steuern ermöglichen, die es braucht, um den Wohlstandsaufwand weiterhin zu gewährleisten.  

Natürlich hat jeder Mensch das Recht, in einer gesunden und geschützten Umwelt zu leben, wie der Jurist, Dramatiker und Schriftsteller Ferdinand von Schirach seine 6 Grundrechte-Artikel auf 30 Bücherseiten allgemein verständlich zu machen versucht. 

Leider ist dieser Text nicht mehrheitsfähig. Währenddessen bieten wir Waren und Dienstleistungen an, die nur peripher unter Wahrung der universellen Menschenrechte hergestellt und erbracht werden. Gemeinwohl und Gemeinsinn sind Worte, die unserer Alltagssprache entglitten sind.  

Mit Corona wurde es besonders schlimm. Hundertausende Menschen in oftmals schlecht bezahlten Berufen geben ihr Bestes, um unser gesellschaftliches Leben aufrechtzuhalten, ebenso viele kämpfen mit Kurzarbeit und Jobverlust. 

Wann fährt unsere hyperaktive Klima- und Naturschutzwächterin Leonore Gewessler mit ihren tanzenden Salondemonstrierern nach Peking, Washington, Brasilia, Moskau oder auch nur in die benachbarte Slowakei, um das einzufordern, was sie in verbaler Machermanier unserer heimischen Wirtschaft aufs Auge zu drücken versucht? Die Gefängnistüren stünden weit offen. 

Hinter den Kulissen streiten Falken und Tauben um die Bedeutung der individuellen Mobilität. Denn die Zukunft ist für alle gefährlich.  

Umso wichtiger ist es, alle medialen Möglichkeiten zu nutzen, um der Antiauto-Propaganda mit Fakten entgegenzuwirken. Verbunden mit der Hoffnung, dass den allergrünsten automobilen Radikalpositionen der Boden entzogen wird, mit anderer Regierungszusammensetzung andere Prioritäten – wie zum Beispiel die Bekämpfung von Arbeitslosigkeit – vorrangig werden. 

Der A&W-Verlag bildet ein breites Meinungsspektrum ab. Kommentare müssen nicht der Meinung des Verlages entsprechen.