Die überfallsartig von der Regierung beschlossene NoVA-Einführung für leichte Nutzfahrzeuge mit Juli dieses Jahres trieb nicht nur vielen Branchenvertretern und Händlern die Zornesröte ins Gesicht: Auch Gewerbekunden waren „not amused“ – und reagierten prompt: Sie orderten beim Händler ihres Vertrauens ein Neufahrzeug, um dieses so noch zum letzten Mal günstiger erwerben zu können. Doch die erhöhte Nachfrage kann vermutlich nicht einmal auf dem (vergleichsweise kleinen) österreichischen Markt zur Gänze gedeckt werden: Denn aufgrund von Lieferverzögerungen und deutlich geringeren Kapazitäten können die Händler oft nicht garantieren, dass die Fahrzeuge auch bis spätestens Ende Oktober lieferbar sind und der Kunde so „NoVA-frei“ gehalten werden kann.

In einer aktuellen Studie schätzt das Beratungsunternehmen Alix Partners, dass die weltweite Produktion 2021 um 3,9 Millionen Fahrzeuge fallen dürfte. Damit könnten die Automobilhersteller aufgrund des Chipmangels Fahrzeuge im Wert von 110 Milliarden US-Dollar nicht produzieren – dies wären deutlich mehr als die von Alix Ende Jänner errechneten 61 Milliarden US-Dollar.

Bei solchen Zahlen wird sich auch der Handel fragen müssen, was da auf ihn zukommt und ob wegen dieser Probleme nicht mit den Importeuren nachverhandelt werden müsste: Müssen geringere Neuwagen-Zielstückzahlen vereinbart werden, weil der Markt höhere momentan ohnehin nicht hergibt und die Produktion des Herstellers auch nicht? Wie müssen sich Beratungsgespräche ändern, wenn es nicht die volle Palette gibt – oder vieles erst mit langer Lieferzeit, die vielleicht das Interesse des Kunden vertreibt? Handelt es sich um ein kurzfristiges Problem und ist nach Auflösung der Halbleiterproblematik damit zu rechnen, dass dann wieder die alten Verhältnisse Platz greifen und verkauft werden muss, als gäbe es kein Morgen? 

Grundsätzlich stellt sich angesichts der Entlassungen bei vielen Zulieferern die Frage, ob die aktuelle Liefersituation bereits der Vorbote eines globalen Herunterfahrens auf eine zukünftig realistischere Stückzahl ohne den „Überlauf“ ist, der stets Basis für das „Marketinginstrument“ Kurzzulassungen war und welche Auswirkungen das für die gerade etablierte Fahrzeugverkaufssäule „Jungwagen“ bzw. Tages- und Kurzzulassungen hat. 

Generell müsste der Verkauf infolge geringerer Stückzahlen für den Handel nachhaltiger als bisher organisiert werden – denn vermutlich nur so könnte dieser auch mit dem geringeren Neuwagen-Durchsatz das Auslangen finden. 

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