Deutschlands Paradelinke Sahra Wagenknecht beschreibt in ihrem Buch „Die Selbstgerechten“ z. B. die Grünen als ein relativ gut situiertes, meistens akademisch gebildetes in Großstädten lebendes Milieu, das die eigenen Privilegien für Tugenden hält. Und den anderen das vorschreibt.

Das trifft Menschen, denen es nicht so gut geht, die z. B. keine akademische Bildung haben. Die fühlen sich bevormundet, belehrt von Leuten, denen es oft sehr gut geht und die sich obendrein als (Umwelt-)Opfer stilisieren!

Die konventionelle Menschenwelt ist strikt gegen ein Verbrennerverbot 2030, wie es jedoch die in Umfragen gerade starken Grünen fordern. Ein Verbrennerverbot 2030 ist keine sinnige Forderung! Ich sehe nicht, dass die Ladeinfrastruktur bei uns und in Europa sich so dynamisch entwickelt, dass sich ein solches Ziel bis 2030 realisieren lässt.

Denn im Moment ist das größte Problem nicht die Produktionsseite oder der staatlich geförderte Absatz von E-Autos. Vielmehr laufen wir sehenden Auges in eine extreme Mangelsituation beim Thema Ladeinfrastruktur hinein. 

Und was machen die mitregierenden Grünen? Sie schwadronieren von Umverteilung durch Öko-Steuern. Durch Umbau der Pendlerpauschale und Ausgleichszahlungen will man Geringverdienern helfen. UND: Die Steuerlast werde in der gesamten Legislaturperiode nicht steigen, zeigen sich die Grünen weltfremd. Die unteren zwei Drittel der Einkommenshälfte würden trotz CO2-Preis durch die versprochenen Kompensationen am Ende sicher nicht schlechter gestellt. 

Eine Überheblichkeit, die sich zunehmend in unserer Gesellschaft breit macht und sich über soziale Belange hinwegsetzt. Vor allem die Konzerne prägen immer deutlicher ihre Macht über uns Menschen aus. Der Compliance-Wahn unterscheidet sich kaum noch von chinesischen Machtmethoden. Je enger sich die Wirtschaftsmächte verbünden, desto ähnlicher verhalten sie sich.

Seit die Porsche Holding im Volkswagen-Konzern eingebettet ist, verschärfen sich auch dort die Regeln: Für ihre rund 500 Einzelhandelsfirmen auf diesem Globus wird der neue Bereich „Business Development“ im Einzelhandel aufgebaut. Übersetzt heißt das Synergien schöpfen, Systeme optimieren, Leute einsparen.

Die PSA-Gruppe zimmert unter dem Stellantis-Markenzelt an neuen Vertriebs- und Vertragsmodellen. Einerseits zwingen Kartellrechtsverpflichtungen zum raschen Handeln, andererseits soll dank Digitalisierung die Vermarktung auf ein neues – billigeres – Fundament gestellt werden. Die Großen werden es sich richten und ihre Kapazitäten gewinnorientiert den aktuellen Gegebenheiten anpassen, die Kleinen müssen schauen, wo sie bleiben.

Aber chancenlos sind die Händler in ihren Ansprüchen auch nicht. Wird ein Händler gekündigt, stehen ihm grundsätzlich gesetzliche Abgeltungen, z. B. Ausgleichsanspruch nach dem Handelsvertretergesetz zur Abgeltung für den Aufbau des Vertriebsnetzes, der InvestitionsERSATZanspruch für vom Importeur vorgegebene, nicht amortisierte Investitionen und ein Anspruch auf Rücknahme von Vertragsware, zu. Sicherlich ist das für beide Seiten ein teurer Einschnitt. Für die Markenhändlervereine ist die Zeit reif, sich in der Gruppe einzubringen.

Experimente stehen jedoch allen frei. Kreative Ideen attraktiver Produkte und Dienstleistungen brauchen zum nachhaltigen Erfolg wieder Partner vor Ort, sonst geht ihnen die Kundenbindung verloren. Das ist wie beim Wahlvolk. Lange Zeit lassen sie sich von Versprechungen verführen, treten die nicht ein, sind sie weg. Führungskräfte in Politik und Wirtschaft sollten daher auch berücksichtigen, wie hoch die Kosten sind, wenn sie Vorteile und Flexibilität ihrer Maßnahmen abschätzen.

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