„Die Erholung des Pkw-Marktes lässt weiter auf sich warten“, klagen die Verbände quer durch die Länder. Die Quartalsergebnisse der Hersteller hingegen schmücken sich mit Milliarden-Gewinnen, der nachgelagerte Handel samt Service brüstet sich mit Monatsergebnissen „best ever“.
Zugleich liegt der April (bitte in diesem Fall die offiziellen Statistik-Austria-Zahlen ausblenden) unter dem langjährigen Durchschnittsniveau, klagt die Basis. Die Mobilitätsgiganten dieser Welt verweisen nicht nur auf die Einschränkungen durch die Corona-Krise, sondern auch auf die Halbleiter-Problematik, die in den aktuellen Zahlen längst nicht mehr das wahre Potenzial des Marktes widerspiegelt.
Was ist also wahr? In den Autohäusern ist, insbesondere bei den Privatkunden, von glühender Kauflaune aktuell wenig zu merken, monieren viel Unternehmen. In normalen Zeiten zählte der April zu den zulassungsstarken Monaten des Jahres. Die Verfügbarkeit von Neufahrzeugen – Stichwort Halbleiter-Knappheit – ist überschaubar. Privatkäufer weichen auf den Gebrauchtwagenmarkt aus. Dort steigen die Preise und die Ware wird auch in diesem Segment knapp.
Lediglich das Hochpreissegment floriert. Individuelle Bestellungen sind inzwischen mit sehr langen Wartezeiten verbunden, was den Umsatz auch nicht belebt. Marktkenner rechnen mit einer weiteren Verschlechterung der Lieferfähigkeit. Dazu kommt in den unteren Preislagen eine Bonitätsverschlechterung kaufwilliger Kundschaft. Das alles sind keine guten Begleiterscheinungen. Obendrauf bedrängt unseren Wirtschaftszweig eine aufmüpfige Politik mit allerlei fadenscheinigen Verteuerungsmaßnahmen.
Die aktuell vom Homeoffice dominierte Arbeitswelt reduziert auf breiter Ebene die Fahrleistungen, das wiederum das Servicegeschäft schmälert. Die Hersteller/Importeure halten dennoch stur an den Absatzzielen für die Händler fest. Vertriebsnetze werden konzentriert, um das von den Konzernen verordnete Sparen effizienter umsetzen zu können. Paradebeispiel ist Stellantis.
Bezogen auf unseren Lebensraum zehren die Online-Giganten weiter unsere lokale Wirtschaftskraft aus und wir leben von den Almosen. Unsere (?) EU verschärft weiter die Klimaziele ohne gleichzeitigen Ausbau entsprechender Infrastrukturen. Hauptsache, der politische Wille wird platziert, die positive Wirkung auf die Bevölkerung ist nachrangig.
Vermutlich warten unsere Klimaretter darauf, dass wir unsere (noch) hochqualifizierten Arbeitskräfte bald nach China exportieren können. Denn zuhause werden sie, geht es in dieser Tonlage weiter, bald nicht mehr gebraucht.
Es ist eine verrückte Autowelt: Plötzlich verabschieden sich die Konzerne zügig vom Volumenstreben und machen dennoch ihren Reibach. Hatte bislang ein Überangebot zu defizitären Geschäften geführt, die Margen sich dem EZB-Leitzinssatz, also gegen null genähert.
Jetzt sorgt der Chipmangel für „leere“ Autohäuser. Das Gerüst steht also, im teuren Klimaschutzgedanken die Konzerngewinne medienwirksam argumentieren zu können.
Real wird die Vertriebsbasis finanziell bluten. Zumal mit dem Elektroantrieb und seiner „einfacheren“ Produktion plus „smartem“ Onlinevertrieb viele neue Glücksritter den konventionellen Markt verstopfen, gehe ich mit Automobilwoche-Chefredakteur Burkhard Riering in diesem Fall d’accord.
Das Wachstum unter den Prämissen Schlankheit und Effizienz hat seinen Preis. In wenigen Jahren werden wir inklusive der dann Regierenden alle wieder froh sein, konventionell vermarktete Fahrzeuge auf die Straße bringen zu können.
Zurzeit ist das Klima ebenso ein Lifestyle-Thema wie das Social-Media-Geplärre, das einem ständig neue Benimm- und Anstandsregeln oktroyiert. Und für alle daraus resultierenden Missstände stellt unsere Politik Geld zur Verfügung. Woher nehmen, wenn nicht von der Autowirtschaft?
Sinngebend liegt darin auch schon eine positive Antwort, dass die konventionelle Autowirtschaft begleitet von den Segnungen des Fortschritts fröhliche Urstände feiern wird. Es ist lediglich eine Frage der Zeit!
Der A&W-Verlag bildet ein breites Meinungsspektrum ab. Kommentare müssen nicht der Meinung des Verlages entsprechen.
