Sind die MAN-Angestellten nun kluge Entscheider, die sich nicht dem erstbesten Anbieter an den Hals werfen wollten, oder handelt es sich zu zwei Dritteln um verstockte Fortschrittsverweigerer ohne tieferes Gespür für die Naturgesetze der globalen Konzernwirtschaft und ohne Verständnis für den knallharten Lohnkostenwettbewerb, in dem wir mit Ländern der Zweiten und Dritten Welt stehen?
Die SPÖ fordert eine Verstaatlichung des Werks. Klingt gut, aber wäre das Wolf-Angebot nicht eh eine Art Verstaatlichung gewesen, halt durch Russland, nicht durch Österreich? Könnte am Ende gar die „Stolz auf Wien“ Beteiligungs-GmbH einspringen und den Grundstein zu einer Erfolgsgeschichte im Zeichen des Wasserkopf-Mostschädl-Doppeladlers legen?
Zur Chance einer Klage, mit der MAN auf die Standortgarantie festzunageln wäre, gibt es laut Ö1-Morgenjournal zwei Expertenpositionen: Das von der Gewerkschaft bezahlte Gutachten bescheinigt der Belegschaft vor Gericht ausgezeichnete Chancen; jenes vom deutschen Konzern beauftragte sieht eine Klage als völlig aussichtslos an. (Muss man mehr über die Jurisprudenz wissen? Ich denke: nein.)
Aber zum Glück sind es ja Persönlichkeiten, nicht Prinzipien, welche die Welt bewegen, wenn man Oscar Wilde glaubt. Persönlichkeiten wie Akio Toyoda, Enkel des Toyota-Gründers und Firmenchef des japanischen Autoriesen, der dieser Tage von renommierten COTY-Journalisten zur „World Car Person of the Year“ gekürt wurde.
Toyoda hat bei seiner Amtsübernahme erklärt, die in seiner Ägide entstehenden Autos müssten wieder mehr Spaß machen als frühere Modelle der Marke. Ob er aufgrund der langen Liste von Toyotas, welche diesen Anspruch seither erfüllen, ausgezeichnet wurde, oder eher dafür, dass sein Konzern als einer der letzten den Irrweg der batterieelektrischen Mobilität standhaft verweigert – auch darüber lässt sich bei einer Tasse Tee ausgezeichnet nachgrübeln.
Ebenfalls interessant zu wissen wäre, wo sich die Preisträger – durchwegs honorige Autobosse – ihre CPOTY-Urkunde aufhängen. Um das herauszufinden, müsste ich die Chefredaktion von einer Homestory bei Carlos Tavares (Preisträger 2020) überzeugen – hmm…
Der A&W-Verlag bildet ein breites Meinungsspektrum ab. Kommentare müssen nicht der Meinung des Verlages entsprechen.
