In dieser Tonlage artikulieren sich nach Vorliegen der Verkaufszahlen im 1. Quartal 2021 quer durchs Autoland Österreich aktuell zahlreich Autohändler. Erziehungs- pardon Infrastrukturministerin Leonore Gewessler hat daran ihre Freude und sinnt wohl bereits nach neuen das Auto zusätzlich belastenden Steuermodellen.

Bei genauerem Hinhören merken jedoch die Verkaufsprofis an, dass ohne Brutalsubventionen das viel gepriesene Elektroauto deutlich weniger Käufer findet, der Privatkunde zurückhaltend ist, ja dass Autos aufgrund vieler Zusatzausrüstung teurer werden.

Für den Grazer Autohandelsprofi Heinz Robinson (Mazda, Kia, demnächst MG) sind zum Zeitpunkt die kolportierten Zahlen lediglich Momentaufnahmen, für eine durchgängige Verkaufsentwicklung sei es angesichts der Pandemie noch viel zu früh, verlässliche Zahlen nennen zu können.

Ing. Wolfgang Rötzer vom Autohaus Dosenberger in Innsbruck (Renault, Dacia, Ford), bekannt für seine vorsichtigen Markteinschätzungen, könne zwar bis dato auf fixe Lieferzusagen seiner Hersteller zählen, jedoch machten ihm die Produktionsprobleme wegen fehlender Bauteile Sorgen.

Deutlich spürt der ehemalige Tiroler Landesgremialobmann ein rückläufiges Kundendienstgeschäft, beschleunigt durch die pandemiebedingt geringeren Fahrleistungen der Autohalter, was übrigens ein landesweites Ereignis ist und nicht auf Tirol beschränkt bleibt.

Albert C. Still, Vorstandsmitglied der AVAG Holding, der soeben Toyota-Mitterbauer im Raum Linz übernommen hat, vermisst in seiner Analyse das fehlende Jungwagenangebot, was bis in den Herbst hinein die Neuwagen-Nachfrage bis zu 20 Prozent steigern, jedoch durch das Einsetzen der Leasingrückläufer wieder ein Dämpfer erhalten könnte.

Resümierend finden Autohändler die importeursseitig für heuer bereits jetzt kolportierten 300.000 Neuwagen-Verkäufe bei guter Lieferfähigkeit durchaus realisierbar, wobei im 2. Halbjahr der Markt aufgrund von Vorziehkäufen für leichte Nutzfahrzeuge weitgehend fehlen dürfte.

Deshalb schon Jubelschreie über ein Superabsatzjahr nahe der 300.000 Neuwagenmarke auszustoßen, grenzt für viele an Übermut. Auch wenn die Orderbücher voller Vorziehkäufe sind, bestimmten vor allem gesundheitspolitische und industrietaktische Unwägbarkeiten im Neuwagenverkauf den Jahresverlauf.

Aber wie ist es im Autobusiness: Es gibt eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit zum Klagen und eine Zeit zum Tanzen. Das will uns sagen: Was wir gerade erleben, ist eben eine Periode – ein Abschnitt, der wieder zu Ende gehen wird.

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