Die Wirtschaft leidet und der Politik bleibt angesichts steigender Ansteckungszahlen ein harter Lockdown vermutlich nicht erspart. Doch das föderalistische Österreich ziert sich und scheut unpopuläre Covid-19-Maßnahmen. Von landesweit akkordierter Vorgangsweise ist so lange keine Rede, bis die Intensivbetten-Kapazitäten aufgebraucht sind.
Weite Teile unserer Wirtschaft würden längst einen drei- bis vierwöchigen harten Lockdown akzeptieren, um danach wieder in geordnete Bahnen zu kommen.
Doch alles in unserer Fahrzeugwirtschaft überstrahlen „phantastische“ Neuwagen-Verkaufsabschlüsse, die jedoch einer pünktlichen Auslieferung harren, wozu es ein möglichst konfliktfreies Interagieren zwischen Hersteller/Importeur und Autohaus bräuchte. Über derartige Details will niemand öffentlich reden. Das mauscheln sich die Starken unter sich aus. Das Gemeinsame wird rhetorisch gepflegt.
Viele Konzerne spielen mit unseren Regierungen Katz und Maus. Anstatt unseren Volksvertretern nach dem Motto „Hauptsache, das Virus wird besiegt“, zu helfen, genügend Impfstoffe zu erhalten, naschen sie am Pandemiebaum für ihre eigene Wertschöpfung mit. Daimler ist so ein Paradebeispiel, wie man mit Staatshilfen Milliarden für die Aktionäre schöpfen kann.
Das nennt sich auch nachhaltig. Fragt sich nur, für wen. Das allgemeine Menschenwohl ist den Konzernlenkern herzlich egal. Moral geht ihnen am Allerwertesten vorbei.
Die Folgen sind dramatisch: Gut 50 Impfstoffproduzenten könnten die benötigte Menge liefern, um der Pandemie Herr bzw. Frau zu werden. Wenn man sie lassen würde. Eine Nutzen-Risiko-Relation hinterfragen? Fehlanzeige!
Auch in Österreich ist das sinnlos, denn wir gehören zu jenen Staaten, die eine temporäre Aussetzung der Impfstoff-Patente bei der WHO blockieren, obwohl sich mehr als 100 Länder dafür aussprechen.
Was wir jetzt brauchen, sind mutige Entscheidungen. Denn die Pandemie hält sich an keine Einzelblockaden. Sie ist erst zu Ende, wenn sie überall beendet ist.
Das gilt auch für den Mobilitätssektor. Wenn die Girlie-Truppe von „Fridays for Future“ den EU-Rat „vorführt“ und neue Rahmenbedingungen für die Weltwirtschaft fordert, ist das an Naivität kaum noch zu überbieten. Und Tanzeinlagen, wo auch immer vor den TV-Kameras dieser Welt, beeindrucken die Mächtigen dieser Welt nicht.
Ein Schiff der Größe einer „Ever Given“, die für ein paar Tage milliardenschwer den Suez-Kanal lahmgelegt hat, stößt auf ihrer Fahrt von Asien nach Europa soviel CO2 aus wie 50 Millionen Autos zusammen. Solche Schiffsgiganten gibt es zu Zehntausenden. Gerne zeigen die Handy-Demonstrierer mit dem Finger auf unsere Autos, jedoch sind die Schweröldinosaurier die wahren Umweltverschmutzer. Nur die sieht man bei uns nicht auf den Straßen.
Währenddessen hat das Wiener Verwaltungsgericht die vom Innenministerium verbotene „Corona-Demo“ für unrechtens erklärt. Die Zahlen und Begriffe seien einer Beurteilung der Seuchenlage nicht gerecht geworden. Da verlierst du jedes Demokratieverständnis und flüchtest dich in die trügerische Osterruhe. Kick(l)eriki!
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