Ist der klassische Automobilhandel bald obsolet? Ein US-Luxus-Elektroautohersteller zeigt bereits vor, was der Branche künftig blühen könnte, wenn sich das Geschäftsmodell breit etabliert, Autos online direkt beim Hersteller zu bestellen und – ganz ohne selbständige Autohäuser – über herstellereigene Vertriebszentren auszuliefern.

Auch andere Hersteller scheinen mit E-Autos punkto Online-Direktvertrieb auf den Geschmack gekommen zu sein: Erst jüngst kündigte ein schwedisch-chinesischer Hersteller an, künftig auf Direktvertrieb setzen zu wollen, weitere Marken haben ähnliche Pläne in der Pipeline.

Zwar beeilen sich die Hersteller, die teils verunsicherte Händlerschaft zu beruhigen und versprechen, den Fahrzeughandel auch künftig in das Handelsgeschäft einzubinden. Wie weit diese Versprechungen umgesetzt werden, wird die Zukunft zeigen. 

Da Vorbeugen bekanntlich besser als Heilen ist, bedarf es bei neuen Vertriebsmodellen auch klarer Spielregeln, damit Kfz-Betriebe Luft zum Leben haben: Denn die Kunden werden wohl weiter in Autohäuser strömen, um ihren Traumwagen dort zu bestaunen, zu fühlen, zu riechen und Probe zu fahren – um ihn dann vielleicht direkt beim Hersteller zu bestellen: Damit der Handel nicht nach dem Motto: „Außer Spesen nichts gewesen“ mit den Kosten für aufwendige Vorleistungen „überbleibt“ und für sich einen Business Plan entwickeln kann, sollten Hersteller mit Onlineambitionen die Karten auf den Tisch legen, was die Standards kosten und welche Leistung wie vergütet werden soll – und wie lange ihr Modell gelten wird.

Denn bei einer steigenden Zahl von E-Fahrzeugen verringert sich auch das Werkstattgeschäft fast automatisch. Abgesehen von neuen komplizierten Geschäftsmodellen besteht auch die Gefahr, dass durch weiter ausgedehnte Garantiezeiten das Geschäft zusätzlich ausgehöhlt wird: Die Arbeit könnte sich dadurch zu den deutlich geringer vergüteten Garantiearbeiten verlagern und der Ertrag damit zur Zukunftsvision werden. 

Es ist also für die Zukunft wichtiger denn je, Rolle und Bedingungen für Kfz-Betriebe klar zu definieren. Herstellern wäre anzuraten, ihren Händlern und Werkstattpartnern faire Angebote zu machen, wenn sie deren Überleben sichern wollen. Da das Geschäft der Zukunft sicher nicht ganz ohne lokale Präsenz rund laufen wird – was wohl auch die Autobauer wissen – bliebe sonst (nur den ganz kapitalkräftigen) unter ihnen die Aufgabe, flächendeckend selbst Repräsentanzen aufzubauen.

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