Bis zum Jahr 2008 lagen die Pkw-Neuzulassungen in Österreich immer zwischen 280.000 und 320.000 Einheiten, Importeure und Händler waren sich weitgehend einig, was der Markt im darauffolgenden Jahr hergeben wird. Es wurde freundschaftlich gewettet, wer denn die tatsächliche Zahl am genauesten vorhersagen konnte. Nach zehn Jahren Zulassungs-Hype mit Ziel-Richtung 350.000 Pkw sowie einer Corona-Notlandung bei 248.740 im vergangenen Jahr ist man von dieser Einigkeit weiter entfernt denn je.
Die Schätzungen reichen heuer von 240.000 bis 250.000 Neuzulassungen von Händlervertretern über bestenfalls 270.000 (Importeurssprecher Günther Kerle) bis zu 290.000 von so manchem Importeur. Im Händler Trend Barometer Österreich geht der Durchschnitt der befragten Händler sogar von einem Rückgang gegenüber 2020 (248.740 Pkw) aus.
Die Ungewissheit ist gewaltig, weil nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung unprognostizierbar ist, sondern auch Lieferengpässe und Produktionsschwierigkeiten (Halbleiter-Mangel,...) die Verkäufe massiv beinflussen werden.
Dabei geht es freilich nicht darum, wer die Zahlen genauer voraussagen kann. In Anbetracht der vorgegebenen Ziele und der damit verbundenen Boni geht es oft ums wirtschaftliche Überleben. Massive Einbußen beim Neuwagen aber auch Rückgänge bei Gebrauchtwagen und in der Werkstätte bringen Familienbetriebe, die in normalen Jahren mit einer durchschnittlichen Umsatzrendite von einem Prozent auskommen müssen, an die unternehmerischen Grenzen. Fehlen dann noch die Boni, die zwischen Gewinn und Verlust beim Neuwagen-Verkauf entscheiden, kann man leicht errechnen, wohin das führt. Deshalb: Reden wir über realistische Ziele.
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