Dabei ist es wenig überraschend, dass die Stimmung heuer grundsätzlich schlechter ist als in den beiden Jahren zuvor. Nachdem im 2. Quartal bereits eine Besserung sichtbar ist, fällt nun eine zweite Entwicklung auf: Es gibt eine deutliche Polarisierung zwischen den Betrieben. Während besonders viele Autohäuser sehr hohe Zufriedenheit, vor allem hinsichtlich Gebrauchtwagen-Verkauf und Service angeben, gibt es gleichzeitig auch mehr „unzufriedene“ Betriebe. Das Mittelfeld wird weniger.
Die Gründe sind natürlich vielfältig: Jene Betriebe, die auch während des Lockdowns sehr aktiv waren, telefonisch und vor allem digital, waren schneller wieder auf Touren. Ebenso gibt es Unternehmen, wo Corona nur ein Beschleuniger der bestehenden Probleme war.
Generell ist allerdings zu merken, dass Covid-19 das teilweise veraltete Motto: „Die Großen fressen die Kleinen“ wieder verstärkt hat. Die kleineren bis mittleren Marken-Autohäuser, vornehmlich Familienbetriebe, sind in einer schwierigen Situation. Dabei machen sie in Österreich den Großteil der Kfz-Unternehmen aus und garantieren den Autoherstellern die Flächendeckung in dem topografisch schwierigen Land.
Die „Großen“ sind in der Digitalisierung deutlich weiter, haben ein deutlich umfassenderes Lager-Angebot und stehen bei der Liquidität meist besser da, können bei der Bank wie auch beim Importeur einen stärkeren Hebel ansetzen.
Politik und Hersteller müssen sich nun überlegen, ob man rasch diesen wichtigen Betrieben unterstützen sollte. (Wobei die Gefahr besteht, dass bei so manchen Marken die natürliche Netzausdünnung willkommen ist.)
Gleichzeitig braucht es einen noch stärkeren Schulterschluss und engere Zusammenarbeit der „Kleinen“ und „Mittleren“: Enge Kooperationen bei Fahrzeug-Zukauf und -Lager, sowohl bei Gebraucht- wie auch beim Neuwagen, ein gemeinsames GW-Angebot im Internet, Entwicklung digitaler Lösungen, Kundenbindungsprogramme und vieles mehr.
Die neue Zusammenarbeit darf nicht mehr in Form von aufoktroyierten und oft gescheiterten Wirtschaftsraumkonzepten sondern in Form von kollegialer Kooperation auf Augenhöhe erfolgen. Die Zeiten von Feind - Todfeind - Markenkollegen haben ausgedient.
