Nach dem Lockdown sind wir wieder von Immobilisten zu Mobilisten geworden. Jeder Anrainer ist wieder ab und zu ein Fortbewegter und umgekehrt. Ein Spiel mit wechselnden Rollen. Ohne einen Psycho-Dings gefragt zu haben: Da muss man ja „schizo“ werden – derart hin- und hergerissen zwischen Fauteuil und Feuerstuhl.
Das zeitigt die gewohnten Auswüchse. Verbote, Tempolimits, Kontrollen fordern wir als Stationäre. „Zieh’ doch um, wenn wir dir zu laut sind!“ entgegnen wir uns in der Rolle der Dynamischen. Der Mensch ist eben ein Meister der Anpassung. Wenn wir fahren, gilt freie Fahrt. Wenn wir wohnen, hat gefälligst Ruhe zu herrschen.
Ganz klar haben die Sozialen Medien das Problem verschärft. Bei „Insta“ und Co. haben wir gelernt, dass Teilen gleichbedeutend ist mit Vervielfachen. Was für eine analoge Ungerechtigkeit, dass der öffentliche Raum sich nicht ausdehnt, wenn mehr Leute ihn beanspruchen! Dass wir uns miteinander arrangieren, gar aufeinander Rücksicht nehmen sollen!
Wofür zahlen wir denn Steuern?
