Nach dem Verkauf ihrer Importfirma an Toyota Motor Europe (TME) konzentrierten sich die Freys seit 2019 auf das Retailgeschäft mit Toyota, Lexus, Aston Martin sowie über Frey-e-motion auf die E-Marken MG und Maxus.

Corona war noch kein Thema. Vielmehr der Zwist zwischen den Kindern, den „Übervater“ Friedrich Frey nicht schlichten konnte oder wollte. Der Kommerzialrat zahlte seinen Sohn ebenso aus der Holding raus wie seinen Wegbegleiter Erich Kernstock, der einst wie der Senior selbst von der kinderlosen Gründerfamilie Ernst und Josefine Frey adoptiert worden war.

1988 markierte Toyota Frey Austria nahezu 7 Prozent Marktanteil, wozu neben den familieneigenen 7 Retail-Standorten circa 70 Haupthändler mit insgesamt 120 Servicestützpunkten ihren Beitrag leisteten. In den vergangenen Jahren begann die Marke (Ausreißer 2017 mit 3 Prozent und 10.000 Einheiten) auf zuletzt unter 2 Prozent Marktanteil abzubauen und TME in Brüssel drängte auf den Generationswechsel.

2016 übertrug der Vater seinen Kindern die operative Verantwortung, um sich zurückzuziehen, wie es Toyota gefordert hatte. Sogar ein japanischer Berater wurde Dr. Frey zur Seite gestellt, um die Voraussetzungen für einen neuen Vertrag zu erfüllen. Der Importvertrag wurde daraufhin verlängert. Aber wirklich loslassen konnte der Senior nicht.

600.000 Toyota-Verkäufe einschließlich der Luxuskonzernmarke Lexus markierten bis 2018 den Erfolgsweg des heute 85-Jährigen. Seine Kinder Dr. Friedrich (53) und Anja Frey-Winkelbauer (51) identifizierten sich von Kindesbeinen an mit der japanischen Weltmarke aus Nagoya. Es lief!

Angesichts der anhaltend schwierigen Marktentwicklung wurden innerfamiliäre Bruchlinien sichtbar, die im November 2018 im völligen Rückzug von Sohn Dr. Friedrich aus dem Familienverbund gipfelten. Schwester Anja soll daran nicht unbeteiligt gewesen sein.

Tochter Anja im Duett mit ihrem Vater führten nun aus, was Brancheninsider ahnten: Toyota kaufte der Familie Frey im Februar 2019 die Importfirma ab und überließ ihr das Retailgeschäft mit zuletzt 15 Prozent Verkaufsanteil am Gesamt-Toyota-Lexus-Absatz auf einem Niveau von jährlich nur noch rd. 8.000 Neuwagen-Verkäufen.

Derweilen knatscht es zwischen dem alten und neuen Importeur gewaltig. Anja Frey-Winkelbauer (wie sie laut Trauschein heißt) wollte/konnte sich mit der neuen Rolle als den anderen gleichgestellten Autohändlern nicht anfreunden. Mit dem „größten Einzelhändler“ unter einem Dach zu wohnen, bot in der Tat vielen im Händlernetz eine schiefe Optik. Folglich emanzipierte sich Heiko Twellmann mit der von Frey übernommenen Importbelegschaft und zog in einen neuen Bürokomplex und begann die Händler auf eine neue Zukunft vorzubereiten. Fürst aus Unterwart wurde sogleich neuer Toyota-Partner. 

2019 überraschten Vater und Tochter Werksimporteur-Geschäftsführer Twellmann mit der Gründung der Frey-e-motion – mit den E-Marken MG und Maxus „Made in China“ im Angebot. Gleich im ersten Volljahr propagierten sie 1.000 Verkäufe. Dieses Ziel wurde bei Weitem verfehlt und auch das Frey-Reifen-Engagement brachte nicht den gewünschten Erfolg. Toyota Austria entschied sich für eine direkte Partnerschaft mit Bridgestone und das Toyota-Geschäft für Frey Reifen war weg. Vermutlich träumte sich der Senior den Erfolg der Marken Bridgestone und Firestone herbei, die er ab den 70er-Jahren lange Zeit als Generalimporteur in den Markt pflegte.

Familie Frey war in der Öffentlichkeit wirtschaftlich und kulturell hoch angesehen, was sich in Salzburg-Aigen in einem luxuriösen grün angehauchten Autohaustempel widerspiegelte. 500 Neufahrzeuge der Marken Toyota und Lexus waren das Plansoll. Geworden sind es deutlich weniger, zuletzt nicht mal mehr 200 Einheiten im Jahr. Was weiter nicht störte, denn der sparsame gebürtige Schwabe Friedrich Frey hatte über die Jahrzehnte ein beträchtliches Vermögen anhäufen können. Auch die Wiener Staatsoper konnte mit Lexus-Limousinen lange davon partizipieren.

Dann ging es Schlag auf Schlag: Im Februar 2020 wurden die Standorte in Amstetten und in Wien-Auhof praktisch von einem Tag auf den anderen geschlossen und die Filiale in Wien-Floridsdorf zu einem Gebrauchtwagen-Zentrum umfunktioniert. Händler aus der Umgebung sprangen in die Presche und schlossen wieder die Reihen.

Der als partnerschaftlich geltende Dr. Friedrich Frey hat sich im Oktober 2019 mit seiner Frau Mag. Antje in bester Innenstadtlage mit der Aussteuer seines Vaters die Invest GmbH eingerichtet und hält sich bislang aus dem Autobusiness heraus.

Anja Frey-Winkelbauer wiederum verfeinerte, so Kenner der Familienverhältnisse, den Führungsstil ihres Vaters, dessen autoritärer Stil ihren Charakter nachhaltig geprägt haben dürfte. Selbst ich als Verfasser dieser Story war nicht davor gefeit, auch wenn es dazwischen durchaus „menscheln“ konnte. Die Liste kurzfristig geschasster Manager ist lang, MacherInnen ließen sie neben sich ohnehin nicht zu.

Die Frey Automobile GmbH, in der bislang auch die Luxusmarke Aston Martin sowie mittels Frey-e-motion MG und Maxus vermarktet werden, zählt zur Frey Holding, die zu 53,11 Prozent dem Senior und zu 46,89 Prozent Tochter Anja gehört.

Aber auch nach dem Auszug aus den gemeinsamen Büroräumen blieb das Verhältnis zwischen Toyota Austria und den Freys kühl. Twellmanns neu aufgestellte Führungsmannschaft gehorchte „keinen Zurufen von außen“ mehr. Nicht, dass es Toyota und Lexus dadurch besser ginge, Corona hinterlässt überall Spuren. Die meisten Händler spüren, dass der Werksimporteur den Freys keine Extrawürste brät und möglichst alle gleich gut oder schlecht behandelt.

Jetzt kam der nächste Paukenschlag: Die Freys erklärten per Ende September 2020 die sofortige Auflösung ihrer Retail-Standorte in Salzburg, Wiener Neustadt und Wien-Arsenal. Das Salzburger Prestigeobjekt „Grünstes Autohaus Europas“ wird nach 11 Jahren abgewrackt! Es lief schon bei der Eröffnung schief, krankheitsbedingt fehlte damals der Herr Kommerzialrat.

Von 7 sind jetzt noch 2 Händlerstandorte übrig geblieben: Der Toyota- und Lexus-Bau am Firmenhauptsitz in Wien-Inzersdorf und Wien-Donaustadt.

Markt- und Familienzustand legen die Vermutung nahe, dass bis Jahresende 2020 auch die letzten Frey-Standorte für Toyota und Lexus ihre Tore schließen werden – verbunden mit letztendlich 140 verlorenen Arbeitsplätzen.

Anders lässt sich auch die Mitteilung des Importeurs nicht interpretieren, der längst mit „in- und ausländischen Vertriebspartnern“ Alternativen sondiert. AVAG (in Deutschland u. a. Toyota/Lexus-Händler) und Denzel bieten viel Raum für Spekulationen. Und auch die vielen treuen Partner sind motiviert, die Marke Toyota bei aller Pandemie-Lähmung wieder auf Erfolgskurs zu bringen.

Anja Frey-Winkelbauer indes will ihre China-Autos mittels Pop-up-Boxen (mobile Glascontainer) in besten Citylagen aufstellen, „dort wo Menschen darauf warten“! Der Platz dafür ist noch nicht gefunden und die Grünen wollen partout keine Autos, auch keine E-Mobile, in der Innenstadt haben. Aber die Rabattschlacht hat sie bereits eröffnet.

Was Vater Frey unter Mitwirkung seiner beiden Kinder im Laufe der Jahrzehnte aufgebaut hat, ringt einem größten Respekt ab. Von diesem Erfolg geblendet, vergaß der im Schwabenland geborene „Pfefferle“ in die Zukunft zu blicken. Seine Höflinge widersprachen ihm nicht und wenn, flogen sie hochkantig aus der Firma. Widerrede sah er bis zuletzt als Angriff gegen sich selbst. Die Tochter belehrte, mahnte, zeigte an, jedoch niemals auf.

Bleibt den Freys zu wünschen, dass am Ende dieser unternehmerischen Tragödie wenigsten die Familie wieder zusammenfindet. Gattin Kristin Frey hat demnach ihre Rolle als Friedensstifterin noch vor sich. Es möge ihr gelingen.