Von der durch die Corona-Pandemie ausgelösten Schockstarre und den damit einhergehenden Umsatzeinbrüchen im März/April beginnt sich – im Gegensatz zur Autoindustrie – die Autowirtschaft in unseren Breiten recht gut zu erholen, wollen wir den Branchenvertretern zunächst nicht widersprechen.
Waren die Umsätze schon im Mai recht ordentlich, zeichnen diese im Juni den Autoleuten Freude ins ansonsten bleiche Unternehmergesicht. Spätfolgen, so ab Herbst zu berücksichtigen, dafür bleibt keine Zeit.
Ein Blick auf die täglichen Horrornachrichten der Industrie, die tsunamiartig Stellenabbau betreibt, gibt zu denken. Die Lieferketten sind nach wie vor nicht intakt und viele hochgelobte digital orientierte Mobilitätsangebote werden wieder vom Markt genommen. Aktuell, ich zitiere Burkhard Riering von der Branchenzeitung Automobilwoche, bedeutet der Hersteller Credo CASE (Connected, Autonomous, Shared, Electrified) eher „Konsolidierung, Amputation, Wechsel und Elektrifizierung“.
Der Ausbruch der Corona-Pandemie kostet unsere Wirtschaft viel Kraft. Vor allem für die Autoindustrie kommt es doppelt dick: Produktionsverluste in Millionenhöhe und politische Einflussnahmen sonder Zahl!
Am Montag verkünden Verkehrsministerin Leonore Gewessler und Importeurssprecher Günther Kerle die just mit der grünen Antiautopartei ausverhandelte „E-Mobilitätsoffensive 2020“. Die vom Bundesministerium für Klimaschutz gemeinsam mit den Automobilimporteuren kreierte Förderaktion startet am 1. Juli. Die ÖVP samt ihren Wirtschaftskämmerern ist in dieser Angelegenheit wie vom Erdboden verschluckt. Der Autohandel darf sich über vermeintlich tolle Absatzzahlen freuen und nicht ausreichend vorhandene E-Fahrzeuge für Private sowie Betriebe, Gebietskörperschaften und Vereine – finanziell mitbeteiligt – verkaufen.
Das wiederum könnte die Regierungskoalition anspornen, die 95 Prozent konventionell angetriebenen Fahrzeugvariationen im Markt rasch zusätzlich zu besteuern, denn die „Koste-es-was-es-wolle”-Politik muss ja die enorme Schuldenlast wieder abtragen. Dafür ist das individuelle Auto als Melkkuh prädestiniert. Kurzfristige Überraschungen sind nicht ausgeschlossen!
Der milde Verlauf in den Werkstätten, die in der Corona-bedingten Ausnahmesituation die Mobilität aufrecht erhielten, bekommt wohl auch einen Dämpfer. Ab Herbst bis Ende 2022 wird Gewessler an die 100 Millionen Euro Reparaturbonus in Form von Mehrwertsteuersenkungen bereitstellen, um „umweltgerecht“ Ressourcen zu schonen. Seitens der Standesvertretungen ist es mucksmäuschenstill, diese Aktion sofort einzufordern. Das könnte die Bevölkerung veranlassen, ihre Reparatur- und Servicearbeiten um ein paar Monate aufzuschieben. Die Angst der Werkstätten vor einem Sommerloch ist nicht unbegründet.
Übrigens plädiert Ford für mildere CO2-Strafen und fordert neue Zielvorgaben. Die bislang für 2020 angesetzten CO2-Verpflichtungen sollen ausgesetzt werden. Wetten, diesem Vorstoß werden andere Autoproduzenten solidarisch folgen, können sie doch mit weiterem Jobabbau und Produktionsverlagerung drohen. Mit diesem Gedanken hat sich die Steirerin Gewessler wohl noch nicht auseinandergesetzt, auch wenn der Grazer Magna-Boss Günther Apfalter unmissverständlich im ORF Lösungsmöglichkeiten dieser Art skizziert hat.
Aber vor allem die Grünen lieben den Stillstand, hören lieber in der Stadt die Vogerln zwitschern und wollen ihren Herzschlag spüren. Radwege lassen sie sich jedoch von der Wirtschaft finanzieren und am liebsten verlegten sie – jeden Ort öffentlich erreichend – die Bahngleise gleich auf der Landstraße, das Fundament dafür ist ja schon da. Dazu müssen sich die Gehilfen des Verkehrsclubs nur noch eine funktionierende Infrastruktur ausdenken, wofür das überfallsartig von Gewessler propagierte 1-2-3-Öffi-Ticket später alle Ausgaben zu egalisieren helfen wird. Koste es, was es wolle!
Aber mit der Ruhe: Die Regentschaft der Grünen hat ein kürzeres Ablaufdatum, als die sich das vorstellen können. Das macht allen anderen, und das ist die Mehrheit, Mut, auch wenn auf dem Weg zum Abgesang der Grünen rund ein Fünftel aller Betriebe auf der Strecke geblieben sein wird.
